Freitag, 10. Februar 2017

Das perfekte Leben der Isabella Levina L.

Gestern Abend ging bekanntlich die deutsche Vorentscheidung über die Kölner Bühne, und da ich ja meiner VE-Abstinenz immer mehr abschwöre (in zwanzig Jahren habt Ihr mich so weit, dass ich mir das Mello anschaue), hab ich in trauter Runde vor dem Livestream gehockt und mir selbige angeschaut. Traute Runde? Jawoll! Meine Töchter haben mitgeschaut, außerdem waren Herr Sixtus und zwei weitere Freunde meines Eurovisionsfreundeskreises zugeschaltet (1x aus Deutschland, 1x aus Österreich, dazu gleich mehr), so dass das zumindest den Begleitumständen nach ein töfter Abend war.

Auf dem Bildschirm, soviel darf ich vorweg nehmen, war der Abend dann nicht ganz so super und lässt mich etwas ratlos zurück. Aber der Reihe nach.

Der durchaus komplizierte Voting-Modus ist ja schon in epischer Breite diskutiert worden. Da es aber trotzdem nicht so richtig verständlich war, rollen wir das hier nochmal auf. In der ersten Runde traten die glorreichen Fünf mit einem Coversong auf und hinterließen sehr unterschiedliche Eindrücke:

Runde 1

Das Küken musste zuerst auf die Bühne und war dementsprechend aufgeregt. Immerhin hatte Helene richtig Spaß auf der Bühne, auch wenn ich mich nach wie vor frage, wer sie eigentlich unter die letzten Fünf hat kommen lassen. Diese, ähm, Stimme ist zum Gruseln. Yosefin spielte natürlich, was Bühnenpräsenz und -erfahrung angeht, in einer anderen Liga, schoss sich aber durch ihre Songwahl selbst ab. Dennoch hätte ich lieber sie als Helene eine Runde weiter gesehen. Gleiches gilt für Felicia Lu, die mich vor allem durch ihre verschiedenfarbigen Augen faszinierte und ansonsten sehr lenaesk rüberkam, was zwar kein Nachteil sein muss. Dennoch blieb sie genau wie Yosefin durch ihre Songwahl erkennbar unter ihren Möglichkeiten. Dass sie nicht weiterkam, war eine herbe Enttäuschung für mich. Bei Axel kam bei uns trotz Anzug zum ersten Mal das Gefühl auf, dass das was werden könnte, und Levina bot in der ersten Runde nicht nur eindeutig die beste Leistung der Fünf, sondern war schon da die klare Favoritin des Kölner Publikums. Man hätte da eigentlich schon aufhören können, aber da es ja eine Coversong-Runde gewesen war, gings danach erst richtig los.


Pause 1

Matthias Schweighöfer singt. Laut Babsi findet man den im besten Falle super scharf (die genaue Wortwahl hab ich nicht mehr nicht im Kopf), im schlechtesten Falle immer noch süß. Im Falle der Schreiberin dieser Zeilen lässt er einen vollkommen kalt und man fragt sich, was an dem so toll sein soll. Das Lied hab ich schon wieder vergessen.


Runde 2

Jetzt wurde es spannend, denn der erste der beiden groß angekündigten Songs kam zu Gehör. Helene sang Wildfire in einer sehr flotten Country-Interpretation, die mich tatsächlich mitriss und die ich von jemand anderem gesungen gern als Sieger gesehen hätte. Leider konnte man ihr nicht mal eben die Stimmbänder austauschen und ihr Bühnenerfahrung einbimsen. Mit einer Stimme wie eine rostige Gießkanne ist leider nix zu holen. Axel saß statisch auf einem Barhocker und erinnerte mich spontan an Max Mutzke, ohne dessen Stimmgewalt allerdings. Das Arrangement allerdings war mir viel zu glattgebügelt und beliebig. Auch bei Levina muss dieser Song in der Halle irgendwie anders rüber gekommen sein, ich vermute, die hatten alle ein Yohanna-Moment. Bei mir zuhause klangen da einige schräge Töne raus, und auch das balladeske Arrangement war mir viel zu lahm.

Alles in allem kam ich mir bei diesem Song vor wie in einem Puzzlespiel wo jemand an den Teilen rumgeschnipselt hat. Der Song ist gut und eingängig, aber die richtige Kombi aus Arrangement und Sänger/in war leider nicht dabei.


Pause 2

Tim Bendzko durfte neben seiner anstrengenden Juryarbeit auch mal singen.


Runde 3

Alle meine Hoffnungen ruhten nun auf Axel, Levina und Perfect Life. Der Song passte eindeutig besser zu Axel als Wildfire, angeblich hat er sogar ein kleines Tanzschrittchen (huch!) drin gehabt, das ich aber nicht gesehen habe. War auf jeden Fall besser als der erste Versuch. Als Levina Perfect Life sang, war mir sofort klar, dass das der Einäugige unter den Blinden ist und dass diese Kombi unser Song für Kiew werden wird. Das beste Gesamtpaket, allerdings saßen auch hier wieder die Puzzleteile nicht an ihrem Platz.

Kein Lena-Moment. Kein Roman-Lob-Moment. Irgendwie alles - nett. Und nett ist ja bekanntlich die kleine Schwester wovon?


Pause 3

Drei Eurovisionssiegerinnen in einem laut Babsi "sensationellen Medley". Das war der Moment, auf den ICH hingefiebert habe, aber von dem Medley war leider nur das dritte Drittel sensationell. Im ersten Teil metzelte Ruslana (immerhin untenrum mal vollständig bekleidet, wenn auch obenrum nicht) "Euphoria" dahin, wobei sehr deutlich zu merken war, dass Ruslana kein Wort von dem verstand, was sie da sang, was durchaus amüsant war. Nicole vergriff sich an "Merci Cherie". Frust. Nicole hatte früher eine der schönsten Frauenstimmen, die ich jemals gehört habe. Die Art und Weise, wie sie ihre Stimme inzwischen kaputt gesungen hat, macht mich fertig. Da war es für Conchita ein Leichtes, den beiden anderen Damen zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat. Ihre Version von "Satellite" war ohne Frage das sängerische Highlight des Abends. Der schönste Moment der gesamten Veranstaltung war übrigens für mich, als die von Conchitas Vortrag sichtlich ergriffene Lena danach aufsprang und alle drei Damen umarmte. Lena herzt Nicole! Dass ich das noch erleben darf!


Runde 4

Levina durfte nun gegen sich selbst antreten. Wildfire war zwar wieder der Burner in der Halle, überzeugte aber am Fernsehschirm auch beim zweiten Mal nicht. Perfect Life klang insgesamt spannender, und glücklicherweise hat sich das abstimmende Publikum dieses Mal nicht von der Stimmung in der Halle und der Meinung von Jury und Moderatorin beeinflussen lassen und mit deutlicher Mehrheit Perfect Life nach Kiew gewählt.


Manöverkritik allgemein:

Moderation: Der Lichtblick an diesem Abend. Babsi ist einfach unverwüstlich und moderierte diese zähen drei Stunden einfach weg. Dabei sparte sie auch den einen oder anderen derben Witz nicht aus. Aber ihre lockere selbstironische Art half einem über manche Pein an diesem Abend hinweg. Thumbs up, wie immer.

Bühne: Bühne?

Jury: Kann man machen, muss man nicht. Die drei trugen jetzt nichts Wesentliches zum Abend bei, störten aber auch nicht. Einzig Herr Silbereisen nervte etwas mit seiner Helenentreue - kriegt er zuhause Ärger, wenn er Leute dieses Namens nicht pusht, oder was? Lena war entzückend, Tim Bendzko der einzige, der mal kritische Töne wagte. Hübsch der Running Gag, dass Herr Silbereisen noch einen Schnelldurchlauf will. Wie gesagt, kann man machen, muss man nicht.

Pausenacts: Ja, doch. Das hat Spaß gemacht, vor allem der Schluss der letzten Pause.

Internationales Barometer: Gott, bin ich froh, dass das dabei war. Ich hätte mir in den Hintern gebissen, wenn man das wieder ignoriert hätte. Wie brauchbar das tatsächlich ist? Keine Ahnung.

Heavytones: Wie sagt der Rabe? Never more.

Songs: Die sensationell angekündigten Songs erwiesen sich als zwei Four-Chord-Machwerke, solide, aber keinesfalls sensationell. Die Arrangements taten ein übriges. By the way, Wildfire hat den Fabianschen Hörtest bestanden (nach dem 2. Hören drin), wohingegen ich Perfect Life einfach nicht in den Gehörgang kriege - und das trotz günstigster Bedingungen. That sounds good to me. Not. Und es frustriert mich nach wie vor, dass die Knallerkombi aus Songarrangement und Interpreten einfach nicht dabei sein wollte. Man kann natürlich einwenden, dass da bis Mai noch was gemacht werden kann, aber wer daran glaubt, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Am allerliebsten wäre mir ja, dass wir uns am üblichen weißrussischen Vorgehen mal ein Beispiel nehmen und gleich den ganzen Song austauschen. Aber das wird latürnich nicht passieren. Das Thema Plagiatsdiskussion möchte ich gern hier aussparen, das ist so überflüssig wie ein Kropf.

Interpreten: Nuuun ja. Ich war ja beim Vorsingen nicht dabei, sondern habe nur die Speed-Dating-Videos gesehen, in denen die Kandidaten dem Bürger Lars Dietrich ein paar Tönchen vorgeträllert haben, aber die Frage muss mal gestattet sein: WER zum Henker hat denn Helene ins Finale gehievt? Und warum muss jemand, der so ESC-unpassend wirkt wie Axel, durch diese Tretmühle? Zugegeben, er hat sich gestern sehr teuer verkauft und das wirklich gut gemacht, dennoch gebe ich dem Silbereisen hundertprozentig recht: Die ESC-Bühne ist nicht wirklich Axels Bühne. Gut, das war es bei Max Mutzke auch nicht, aber der spielt stimmlich dann doch nochmal eine Liga höher. Yosefin und Felicia haben sich durch falsche Songwahl in der Coverrunde leider selbst rausgekickt, Ich hätte die beiden Songs gern auch mal von ihnen gehört. Bleibt Levina, und die ist nun wirklich eine würdige Siegerin, war sie doch in sämtlichen Runden klar die beste. Man würde ihr nur einen besseren Song wünschen! Im Moment erinnert mich das doch sehr an Lidia Isac aus Moldawien letztes Jahr: Tolle Sängerin mit toller Optik, Song zum Vergessen.

Konzept: Uff. Doppel-Uff. Zu verwirrend, zu viele Runden, zu wenige Songs, zu viele Heavytones. Wenn hier was gerissen wird in Kiew, dann liegt das ausschließlich an Levina und ihrem Können, wiewohl ihr ein wenig die Leichtigkeit fehlt. Über alles andere möchte ich gern den Mantel des Schweigens breiten. Bitte macht es das nächste Mal anders. Und vor allem: THE SONG!

Lieber NDR, schaut doch bitte einfach nochmal das hier an und lernt:

Das kann doch irgendwie nicht so schwer sein! Und wenn Ihr es nicht könnt, dann gebt es ab!


Nun ja. Die Wettquoten für Deutschland fallen derzeit wie ein Stein. Immerhin: Österreich liegt derzeit (noch) hinter uns, und meinen beiden österreichischen Freunden ging gestern abend Nathan-Trent-bezüglich schon ziemlich der Hintern auf Grundeis ("Wo hat der ORF den her? Was haben sie sich dabei gedacht?"). Ich hoffe in beiden Fällen nicht, dass wir uns wieder gemeinsam das Scoreboard von unten begucken und wünsche Levina all the best of luck in Kiew - sie kann es gebrauchen. Und ich hoffe, dass die ganzen Unkenrufer, die bereits den dritten letzten Platz in Folge kommen sehen, Unrecht behalten.

In diesem Sinne: Viel Glück in Kiew, Levina! Und uns allen eine tolle Saison!

Freitag, 20. Januar 2017

And the best hosts are:

Der offizielle Youtube-Kanal des Eurovision Song Contests rief letztens seine Fans zu ein paar interessanten Abstimmungen auf. Auf der Tube gibt es ja ESC-Song-Rankings noch und nöcher. Abstimmungen über die besten Moderatoren sind aber bis dato eher Mangelware. Daher ließ man jetzt dort mal die beste Moderation wählen - der 80er, der 90er, der Nuller und der Zehner. Für die Jahre davor habe ich nichts gefunden.

Die Ergebnisse dieser Abstimmung möchte ich Euch nicht vorenthalten, zumal mir das jetzt auch ermöglicht, eine sträfliche Unterlassungssünde auszumerzen. Soviel sei schon mal gesagt: Die Abstimmung brachte in allen vier Fällen diejenigen als Sieger, die ich selbst auch dazu gekürt hätte. Was allerdings teilweise dahinter passierte, war zuweilen... äh... interessant.

Nehmen wir mal die Achtziger. Die Siegerin war nicht so eindeutig, wie man meinen konnte, sondern lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit - Victor Lazlo (Brüssel 1987). Das war für mich die erste Überraschung, hier hätte ich Désirée Nosbusch (Luxemburg 1984 auch noch mit im Rennen erwartet. Aber gewonnen hat das ganze selbstverständlich Lill Lindfors (Göteborg 1985), und das dürfte nicht nur am Klamottentrick gelegen haben, sondern daran, dass sie den Abend zu "Die Welt zu Gast bei Lill machte".Warmherziger war selten jemand. Hier nochmal die Highlights ihrer Moderation:




In den Neunzigern waren es dann drei Moderationen, die um die Krone kämpften. Auf den Verfolgerrängen landeten Fionnuala Sweeney (Millstreet 1983) und zu meiner großen und durchaus freudigen Überraschung Ingvild Bryn und Morten Harket (Oslo 1996). Bevor ich mir den Osloer Bewerb mal komplett gegeben habe, hatte ich nur Fürchterbares über die beiden gelesen, fand aber dann ihre Moderation ausgesprochen unterhaltsam. Jedenfalls kann man das beides vertreten. Auch Carrie Crowley und Ronan Keating (Dublin 1997) oder Dafna Dekel, Sigal Shahamon und Yigal Ravid (Jerusalem 1999) hätten einen Platz weit oben verdient gehabt. Über das Ergebnis für Gigliola Cinquetti und Toto Cutugno (Rom 1991) ist indes nichts bekannt. Sieger waren hier Ulrika Jonsson und Terry Wogan (Birmingham 1998), die das rundum großartige Jahr 1998 trefflich abrundeten.




In den Nullern ging zwar der Sieger in Ordnung, aber dahinter - au weia. Ich hätte ja eigentlich gedacht, dass die Top drei neben den Siegern noch zwingend Kattis Ahlström und Anders Lundin (Stockholm 2000) sowie Marija Naumova und Renars Kaupers (Riga 2003) hätte enthalten müssen. Ich sollte mir wohl das Denken besser abgewöhnen, denn stattdessen sah das Wahlvolk allen Ernstes Maria Menounos und Sakis Rouvas (Athen 2006) - Leute, Ihr solltet die Moderation bewerten, nicht die Optik! - und, jetzt kommts: Alsou und Ivan Urgant (Moskau 2009, Finale) UND Natalia Vodianova und Andrej Malakov (Moskau 2009, Semis) vorne. Was bitte habt Ihr für Drogen genommen? Die will ich auch! Immerhin, beim Sieger hat man alles richtig gemacht, denn zu den besten Moderatoren der Nuller wurden höchstverdientermaßen Jaana Pelkonen und Mikko Leppilampi (Helsinki 2007) gewählt.




Bleiben die Zehner. Und hier ragt eine Moderation so deutlich heraus, dass die Kanalbesitzer sogar darauf verzichtet haben, die Plätze danach überhaupt nur zu benennen. Da kann man eigentlich nur gucken und genießen:


Ich möchte allerdings die videogewordene Laudatio noch um einen wichtigen Punkt ergänzen. Keine Frage, Petra Mede und Måns Zelmerlöw (Stockholm 2016) waren ein blind aufeinander eingespieltes Team, da saß jeder Übergang, jeder Gag, meistens haben sie noch nicht mal Moderationskärtchen gebraucht. Die beiden waren charmant, witzig, originell, souverän und wunderbar selbstironisch, ohne dabei aber zu dick aufzutragen. Und über die beiden Gesangstanznummern, die man im Video auch nochmal ausschnittsweise sieht (und ansonsten auch nochmal in Gänze auf der Tube findet), haben wir noch gar nicht gesprochen. Umso bemerkenswerter und beeindruckender fand ich es aber, dass die beiden es auch schafften, sich bei den leisen Tönen genau richtig zu dosieren. Die Ansage der "Grey People", dem Pausenact im ersten Semi, die die Situation der Flüchtlinge in Europa tänzerisch darstellten, hätte böse in die Hose gehen können. Aber Petra und Monz fanden mit ihrer empathischen, aber nicht pathetischen Ansage genau die richtigen Worte. Und das adelte dann endgültig eine Moderation, die wohl auch ohne das als die mit Abstand beste in 60 Jahren ESC-Geschichte angesehen werden darf.

Dienstag, 17. Januar 2017

Sadi geht, Yosefin kommt.

Zumindest eine Frage aus meiner ellenlangen Fragenliste im letzten Posting hat sich wohl heute beantwortet, nämlich die nach dem diesjährigen Skandal bei der deutschen Vorentscheidung. Wie die BLÖDzeitung heute enthüllte, hätte Sadi neben der VE auch noch einen Termin beim Jugendgericht in Dortmund. Vorwurf: Diebstahl bzw. Betrug. Was genau da vorgefallen ist und ob es überhaupt vorgefallen ist, weiß man eigentlich nicht.

Dennoch ist Sadi heute vom Vorentscheid zurückgetreten (worden? Auch das weiß man nicht). Als Nachrückerin wurde jedenfalls kurz danach meine Speeddating-Topfavoritin Yosefin Buohler nominiert. Axel Feige wirds gefreut haben, der ist nämlich jetzt noch der einzige Kerl zwischen den ganzen Hühnern.

Hoffen wir mal auf die Songs. Wie heißt es so schön: Hoffen und harren...

Montag, 9. Januar 2017

Aktenzeichen XY ... die (noch) ungelösten Fragen des Eurovisionsjahrgangs 2017

Wir kommen langsam aber sicher in die heiße Phase, höggschde Zeit also, sich mal anzuschauen, welche Fragen in dieser Eurovisionssaison noch offen sind:


- Werden die Albaner ihr bereits ausgewähltes Lied wieder verenglischen und bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln, auf dass sie auch in diesem Jahr wieder sicher im Semi rausfliegen?

- Kaufen die Azeris wieder in Schweden ein, bloß nix bieten, was auch nur annähernd mit der eigenen Kultur zu tun hat?

- Bürsten die Österreicher wieder gegen den Strich, um den gemeinen Fan zu verzücken?

- Bieten die Belgier neue Tanzschritte, die man so aus guten Gründen bisher weder auf einer Bühne noch in einer Disco noch sonstwo gesehen hat?

- Zeigen die Australier den Eurasiern wieder (ohne sich anzustrengen), wo der Frosch die Locken hat?

- Haben die Bulgaren nach dem tollen Vorjahresergebnis endlich was gelernt?

- Schaffen die Schweizer das Triple (3x Semi-Letzter)?

- Schaffen die Deutschen das Triple (3x Final-Letzter)?

- Welchen Skandal bieten die Deutschen der Eurovisionswelt dieses Mal?

- Darf Aminata wieder den lettischen Beitrag schreiben?

- Darf Stig Rästa wieder den estnischen Beitrag schreiben?

- Findet er dafür einen Sänger oder eine Sängerin, die nicht gleich zum Weglaufen unsympathisch ist, zum Beispiel Elina Born?

- Wird der spanische Beitrag auf YouTube wieder gehypt ohne Ende, um dann im Wettbewerb jämmerlich abzusaufen?

- Wird das wieder keiner verstehen?

- Schicken die Finnen endlich mal wieder Fabian-kompatiblen Radau?

- Schaffen die Briten die Top 5? (Kleiner Scherz am Rande...)

- Schaffen die Iren das Finale?

- Singen die Serben doch lieber wieder serbisch?

- Kommen die Rumänen zurück wie Phoenix aus der Asche?

- Wen kauft sich San Marino ein?

- Schaffen die Russen endlich den Sieg, und das ausgerechnet in der Ukraine?

- Bleibt es bei einem Gimmick-reduzierten Wettbewerb?

- Werde ich den schwedischen Beitrag auch nur ansatzweise mögen?

- Schicken die Slowenen was Gutes?

- Wenn ja: Bekommt das endlich mal eine angemessene Platzierung?

- Kommen die Tschechen jetzt nochmal ins Finale?

- Kommen die Griechen wieder ins Finale?

- Bleiben die Montenegriner so mutig?

- Welche Art von Problembeitrag liefern die Ungarn dieses Mal?

- Schaffen die Isländer endlich wieder das Finale?

- Haben die Mazedonier nach Kaliopis Ausscheiden überhaupt noch eine Chance aufs Finale?

- Will der weißrussische Interpret wieder nackt und/oder mit Wölfen auftreten?

- Darf er das?

- Und was schicken die Ukrainer?

- Gibt es endlich wieder mehr in Landessprache?

- Und mehr Risiko, so dass man sich an den Beiträgen auch mal abarbeiten bzw sich in sie verlieben kann?

- Wird wieder am Wertungssystem rumgeschustert, weil ja sonst nix stört?

- Werden uns die Ukrainer den Gefallen tun, Ruslana und Verka Serduchka als Moderationsduo einzusetzen?

- Wenn ja: Werden die beiden eine noch schlechtere Moderation abliefern als Natalia "se mohst bjutiful Göhl in se Wöhld" Vodianova und Andrej "Ich bin zu doof, um 'en Pudding an die Wand zu nageln" Malakhov?

- Wie lange wird in der Ukraine alles in der Schwebe hängen, um nachher dann doch einen der besten ESCs der Geschichte zu präsentieren?

(- und für mich ganz persönlich: Wird es, wie seit 1987 in allen Jahren mit einer 7 hinten, wieder zwei Beiträge für meine persönliche Top 25 geben?)


Hach, so viele Fragen. Alle offen. Hab ich noch was vergessen? Falls ja: Schreibts uns doch einfach in die Kommentare!

Freitag, 6. Januar 2017

5 x 2 = 1?

So, da wurden sie heute also präsentiert, die glorreichen Fünf, die für Deutschland den Vorentscheid bestreiten werden: Felicia Lu Kürbiß, Levina, Axel Feige, Sadi und Helene Nissen. Und ich lag mit meinen Prognosen bis auf die Lady mit dem drolligen Nachnamen mal wieder kilometerweit daneben. Immerhin, der von den Fans gewünschte Diversität hat der NDR dabei versucht Rechnung zu tragen. Mal sehen, wie sich unsere Recken schlagen. Müsste ich aufgrund des Speeddatings eine Prognose machen, wäre Felicia Lu meine klare Favoritin, gefolgt von Levina und Sadi. Axel und Helene sind in meinen Augen chancenlos.

Aber halt - war da nicht noch was? Das Hauptaugenmerk soll ja auf dem Song liegen, und da muss der NDR sich seiner Sache schon extrem sicher sein, denn es gibt genau zwei (in Zahlen: 2) Songs, die schlussendlich zur Wahl stehen und die in jeweils fünf verschiedenen Arrangements zu Gehör gebracht werden. Jeder Kandidat bekommt also sein eigenes Arrangement (von den Heavytones begleitet, wie man hört ...) für jeden der Songs, so dass wir die gleichen zwei Songs immer wieder hören werden.

Nun, mangelnde Risikobereitschaft kann man dem NDR in diesem Jahr wahrlich nicht vorwerfen. Als ich das gelesen habe, kam mir gleich eine ganze Wagenladung von Was-Wenns in den Sinn: Was, wenn die Songs Rohrkrepierer sind? Was, wenn sich so ein Faust-aufs-Auge-Arrangement wie beispielsweise bei Roman Lob und "Standing Still" nicht finden lässt? Was, wenn man die falschen fünf ausgewählt hat?

Andererseits: "Satellite" war auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, wurde allerdings durch die Performance eines absoluten Ausnahmetalents geadelt. Ich bin bis heute der Meinung, dass Lena auch mit "Alle meine Entchen" gewonnen hätte. Allerdings findet man solche Ausnahmetalente auch nicht jedes Jahr, und im derzeitigen Line-Up sehe ich nach dem bisherigen Eindruck keins. Aber was weiß ich schon?

Lassen wir uns also überraschen. Vielleicht hat es der NDR ja doch geschafft, eine magische Kombination aus Interpret und Song zu finden. Alles, was uns vom letzten Platz wegbringt, ist auf jeden Fall schon mal eine positive Überraschung.

May da best one win, may da Song was taugen and may he or she in Kiev nicht Letzter werden.

Montag, 19. Dezember 2016

Schweizer Sangeswonnen

Es hat ja wahrscheinlich jeder von uns in seinem Umfeld Personen, denen er nichts abschlagen kann. Ich auch. In meinem Falle gehört dazu unter anderem auch der Besitzer dieses Blogs. Der hat mich nämlich bekniet, ich möge mir doch mal die Schweizer Songs anhören, ich würde mir nichts dabei vergeben, und das Finale würde sowieso keiner von denen von innen sehen.

Da ich in den letzen 18 Monaten schon mehrere gute Vorsätze gebrochen habe, ist jetzt dann wohl mal das Vorhaben dran, Eurovisionssongs (mit Ausnahme des deutschen Beitrags) zum ersten Mal dann anzuschauen, wenn die Startreihenfolge feststeht. Also gut, schauen wir mal, was die Eidgenossinnen (es sind derer 6 bei 0 Eidgenossen) so im Gepäck haben:

1. Ginta Biku - Cet air là

Uff, das ist aber eine seltsame Gewandung. Also, eine SEHR seltsame Gewandung. Und damit ist noch nicht mal Ginta selbst gemeint (obwohl, auch schlimm), sondern vor allem ihre Tanzschnittekens, die eine Art zum Bikinioberteil umgewandeltes Hemd tragen. Mir fehlen da gerade etwas die Worte. Das Lied plätschert drei Minuten vor sich hin und tut nicht weiter weh, immerhin gibt es einen Sprachwechsel von Englisch zu Französisch und wieder zurück. Gintas Stimme ist von der Abteilung "nörgeliges Gör singt", nicht wirklich schlecht, aber auch nicht doll.

Chancen aufs Finale: 0,000%.
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Hoch.
Zürich 2018: Ich hör ja schon auf.
3/10


2. Freschta - Gold

Hm. Fangen wir mal mit dem positiven an: Die Stimme ist sehr gut, und das Mädel hat sicherlich Potenzial. Hübsch ist sie auch, aber sie sollte beim Singen nicht so gucken, als ob die Presswehen gerade eingesetzt haben. Und ihr Englisch ist ungefähr so gut wie das von Alyosha. Die Aussprache ist eine Katastrophe, man versteht recht wenig. Aber warum solls uns besser gehen als ihr?
Hm, was? Wie ich den Song finde? Den Song...? Welchen Song? Der ist mir schon wieder zum Ohr rausgeflogen, kaum dass ich die paar Zeilen hier geschrieben habe.
Ich will ja nicht so viel motzen (okay, will ich doch), deshalb nur so viel: Sie kann singen, aber es ist noch eine Menge Bühnenerfahrung nötig, bevor das hier mal internationales Format bekommt.

Chancen aufs Finale: In dieser Form keine, gebt dem ganzen aber ein wenig Feinschliff, dann reden wir nochmal drüber.
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: In dieser Form hoch, mit Feinschliff weniger hoch.
Zürich 2018: Äh, was?
4/10


3. Michèle - Two faces

Das ist auf jeden Fall mal besser als die beiden davor, aber das heißt noch gar nix. Irgendwie ist diese Michèle eine sehr seltsame Mischung aus Ann Sophie und Lena. Aber eine gute, kräftige Stimme, die dann hoffentlich bei der VE auch jeden Ton trifft. Sie hat Spaß auf der Bühne und weiß wie sie den Spaß rüberbringt. Ihr Lied hab ich zumindest jetzt beim Tippen noch nicht sofort wieder vergessen, aber natürlich ist das auch nichts, was beim ESC auch nur den Hauch einer Chance hätte. Dass ihre zwei Gesichter Zucker und Salz sind, finde ich allerdings putzig.

Chancen aufs Finale: Da das Lied nichts Dolles ist... puh.
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Mittel
Zürich 2018: Soll ich diese Zeile künftig einfach streichen?
5/10


4. Nadya - The fire in the sky

Voluminöse Frau mit ebensolcher Stimme, was sicherlich nie ein Nachteil ist. Aber dich zwischendrin verschlucken solltest Du dann auf der großen Bühne tunlichst unterlassen, liebe Nadya. Von allen bisher gehörten Beiträgen mit Sicherheit der, aus dem man am meisten rausholen kann, wenn man die Bühnenshow entsprechend gestaltet. Überhaupt: Bis auf Ginta war das ja alles reichlich statisch bisher. Nun lässt man natürlich voluminöse Frauen nicht über die Bühne hoppeln, aber da darf gern noch ein bisschen was drumherum passieren. Das Lied ist okay, nix Besonderes, aber nichts, wo ich sofort das Radio ausmachen müsste. Und bei Nadya arbeiten wir noch ein bisschen am Styling (vor allem am Make-up!), dann wird das in der VE schon ein Wörtchen mitzureden haben.

Chancen aufs Finale: Noch am ehesten von allen bisher gehörten
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Eher gering. Kräftige Frauen mit kräftigen Stimmen bekommen gern mal ein paar Punkte.
Zürich 2018: Das sieht hier nicht ganz so grotesk aus wie bei denen davor, aber: Nein.
6/10


5. Shana Pearson - Exodus

Ein sehr internationaler Song. Klamotten aus Andorra (ein gelbes Organza-Kleid (oder was soll das da sein?) über schwarzem Nano-Kleid - mit sowas ähnlichem ist doch die Rykka dieses Jahr auch schon auf die Fresse gefallen!), Tänzerinnen aus Belgien, die schief singenden Backings von Electro Velvet ausgeliehen und am Song ärgert mich all das, was mich in diesem Jahr beim norwegischen Icebreaker genervt hat. Wenn ich gegen Ende der Strophe den Turbo aufdrehe, dann muss im Refrain was kommen! Da darf ich nicht das Tempo drosseln. Aber selbst wenn sie das nicht gemacht hätten: Dieses Lied und die ganze Inszenierung sind so unerträglich billig, dass ich eigentlich gar nix mehr dazu sagen will.

Chancen aufs Finale: Nä
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Ja
Zürich 2018: Ohne Worte
1/10


Puh, nur noch eine, dann hab ich es geschafft.

6. Timebelle - Apollo

Es heißt ja immer, das Beste kommt zum Schluss, und der Kandidatenreigen hier ist keine Ausnahme. Die hübscheste Sängerin mit der besten Bühnenpräsenz, Stimme ist in Ordnung, jetzt müssen wir der Dame nur noch das Grimassieren abgewöhnen, dann passt das.Auch wenn der Song (ich sag nur 4 chord) reichlich vorhersehbar daherkommt, ist das solides Pophandwerk und mit Sicherheit das kompletteste Gesamtpaket. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, müssten Timebelle sich eigentlich mit Nadya um die Krone kloppen und am Ende nach Kiew fahren. 

Chancen aufs Finale: Ja, schon.
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Nein.
Zürich 2018: Nein.
7/10


Nu ja. Alles keine großen Würfe, teilweise absolut indiskutabel. Es wird entweder Nadya, oder, wahrscheinlicher, Timebelle.

So, Sixtus, da haste Deine Besprechung. Eiserne Konsequenz is eh was für Kleingeister. Aber nicht, dass ich mir jetzt auch noch das Mello antun muss!

Dienstag, 6. Dezember 2016

"Du hast Star-Appeal. Menschen werden dich lieben."

Nein, nein, nein, dieser Satz ist so natürlich noch nicht gefallen, zumindest nicht für das kommende deutsche Eurovisionsaufgebot. Aber er könnte. Vielleicht. Wenn wir Glück haben. Ob es tatsächlich für eine zweite Lena reicht, sehe ich noch nicht unbedingt, aber so ein Ausnahmetalent findest du auch nicht jedes Jahr.

Krankheitsbedingt hock ich gerade daheim und habe die Zeit genutzt, mir mal die Speed-Dating-Videos der 33 Kandidaten anzuschauen, die vom NDR aus etwa 2000 Bewerbern ausgesiebt worden sind und sich nun einer dreiminütigen Fragerunde mit Bürger Lars Dietrich stellen durften.

Die Videos findest Du hier.

Die Fragen waren natürlich hanebüchen, so wurde nach dem liebsten Kuscheltier gefragt, nach dem unnötigsten Kauf, womit man sein erstes Geld verdient hat, was man wäre, wenn man ein Instrument wäre und so weiter und so fort. Oliver Rau von der wunderbaren Seite aufrechtgehn.de schlug gar vor, bei jeder dummen Frage einen Schnaps zu trinken, auf dass man beim dritten Video bereits unter dem Tisch läge - tut mir Leid, so viel Stöffchen hab ich nicht im Haus.

Aber um die Fragen ging es auch gar nicht, sondern darum, wie sich die Helden denn in der unerwarteten Situation schlugen. Und da gabs durchaus große Unterschiede. Während die einen schüchtern vor der Kamera bzw. dem Lars saßen und sich bei jeder Frage wanden und man sich fragte, wer die denn eigentlich in die Runde der letzten 33 gehievt hatte (und sie selbst schienen sich das auch zu fragen), waren auch ein paar echte Rampensäue dabei, von denen man sich durchaus vorstellen konnte, dass sie dermaleinst vom Bravo-Poster aus huldvoll in die deutschen Kinderzimmer gucken.

Nach der Fragestunde durften sie dann alle noch ein kleines Gesangspröbchen abgeben, was sie durch die Bank mit Bravour gemeistert haben. Singen konnten sie alle, aber das wäre auch ein Armutszeugnis gewesen, wenn nicht. Jung sind sie alle (wenn ich das richtig gesehen habe, reicht die Altersspanne von 17 bis 29. Seufz.), und nett aussehen tun sie auch alle (okay, manche mehr als andere).

Aber ansonsten wars ein bunter Haufen: Eye-Candy (fast alle Jungs, besonders Alessandro und Alex), das Jüngelchen von nebenan, das irgendwie in die Casting-Show geraten ist (Florian), die mit dem lustigen Namen (Felicia Lu Kürbiß, trotzdem sehr vielversprechend), die Abgeklärte, die schon mal bei einer VE dabei war (Elvira), die charismatische Durchgeknallte (Yosefin, für mich die Top-Favoritin in der Runde), die Röhre (Mary Ann), die Schönheiten (Levina, Susanna, Meg, und, und, und), das Mäuschen (Helene, ausgerechnet), der Überforsche (Marvin) ... Und alle mit ganz unterschiedlichen Starqualitäten.

Wenn die Verantwortlichen beim NDR alles richtig machen (was ja auch noch längst nicht raus ist) und die besten Performer in die Endrunde hieven, brauchen wir jetzt "nur noch" einen guten Song, und dann wollen wir doch mal sehen, ob es nicht dieses Jahr mal über den letzten Platz rausgeht.

Es wird spannend. Ich hab jedenfalls schon einen Tipp, wer am 9.2. in der VE zu sehen sein wird -und wie immer liege ich damit bestimmt total falsch. Allerdings dürften die Likes und Dislikes unter den Tubenvideos schon mal ein ganz guter Indikator sein.

Drücken wir ihnen allen die Daumen - und dem NDR, dass er ein gutes Händchen hat und die Rampensäue und schrägen Vögel drin lässt!

Mittwoch, 3. August 2016

Und das meint der Nachwuchs

Meine Kinder sind ja langsam in einem Alter, wo ich meinen Eurovisionskonsum nicht mehr geheim und sie nicht mehr davon fernhalten kann. Unlängst wurde schon mit Nachdruck gefordert, ich möge sie doch bitte im nächsten Jahr wenigstens die Semis mitschauen lassen. Ich werde mal in mich gehen und auf den Stundenplan hoffen, möge dieser Kelch an mir vorübergehen.

Dafür hockte man aber beim Schreiben meiner Nachlese neben mir und sah mir über die Schulter. Und die Eindrücke, die da kamen, möchte ich Euch nicht vorenthalten:

"Huch!" (Island, in dem Moment, als die Hände kamen und Greta zu packen versuchten)

"Die hat total komische Haare und ein hässliches Kleid!" (Spanien)

"Die sind aber komisch angezogen." (Bosnien-Herzegowina)

"Cool! Das gefällt mir sehr! Aber viel zu viele Lichtblitze, das blendet mich." (Georgien)

"Toll war das!" (Ungarn)

"Der Sternenhimmel sieht ja toll aus!" (Frankreich)

"Ooooh, das ist ja toll! Ist das Feuer echt?" (Armenien)

"Das ist am schlechtesten. Die singt, als ob sie ausgepeitscht würde." (Ukraine)

"Die Kleidung und die Frisur passen nicht" (Israel)

"Boah, das ist ja voll schön!" (Litauen)

"Die sieht ja grässlich aus, das will ich nicht nochmal gucken" (Albanien)

"Guck mal, die hat ja Licht an!" (Bulgarien)

"Komische Kleidung." (Irland)

"Ich find, sie singt gut, aber das Lied ist einfach schlecht." (Deutschland)

"Der Hintergrund mit dem Garten ist toll!" (Italien)

"Das Lied ist gut, aber der Hintergrund gefällt mir nicht." (Schweden)

"Das ist ein bisschen langweilig." (Polen)

"Uäääh, die Frisur und das Kleid gefallen mir nicht!" (Kroatien)

"Der Hintergrund ist schlecht." (UK)

"Die umklammert ihr Mikrofon so komisch. Nein, das gefällt mir einfach nicht!" (Malta)

"Toll! Note 1!" (Österreich)

"Mach nochmal das mit der Frau in dem Prinzessinnenkleid, das ist mein Lieblingsbeitrag!" (Kind 1 über Australien)

"Mach nochmal das, wo der da die Wand hochklettert, das ist mein Lieblingsbeitrag!" (Kind 2 über Russland)

"Australien oder Russland hätten gewinnen sollen! Der Sieger hätte letzter werden sollen."

Das Finale, die Top 3

3. Russland

Ich werde mich vermutlich mit diesem Posting sehr unbeliebt machen, is mir aber egal. Denn: Wenn überhaupt irgendjemand aus der Top 3 den Sieg verdient hatte, dann auf jeden Fall Russland! Mit dieser Choreographie noch so eine Gesangsleistung zu bringen, das muss man auch erstmal schaffen. Dazu kommt, dass mir Sergey durchaus sympathisch ist, und sein Song gefällt mir auch. Natürlich ist das nicht der große Wurf, aber es wäre ein würdiger Sieger gewesen. Wie wir wissen, kam es anders, und Sergey gewann leider nur das Televoting. Bei den Juroren, wo er keine Punkte bekam, lag er sehr oft auf den Rängen 11-18 (was okay ist), wurde aber auch von einigen Juroren gezielt runtergewertet (Jurys sind? Na? Ihr wisst schon). Das Thema wird wohl ein Duerbrenner bleiben. Jedenfalls: Schade um Sergey, dieses Jahr hätte Russland den Sieg wirklich verdient gehabt!


2. Australien

Vorhang auf für die große Stimmakrobatin aus Down Under. Dami, ganz Prinzessin im Glitzerkleid, mit Glitzerschuhen und mit Glitzerarmschmuck (so einen will ich auch!) hockte auf einem Glitzerpodest und sang sich die Seele aus dem Leib. Doch, gesanglich war das schon sehr, sehr gut, und es war auch keine Überraschung, dass das der Jurysieger wurde. Aber: Ein Jahr nach dem großartigen Debüt von Guy Sebastian (für mich der eindeutig beste Beitrag 2015, auch wenn der Auftritt nicht optimal gelaufen ist) ist Australien eurovisionstechnisch komplett eingenordet worden. Ein nichtssagender Song, die holografischen Kniffe des Vorjahressiegers aufgegriffen, Stimmbandstrapazionen - das ist alles nur für einen Abend gemacht. Tut mir Leid, liebe Australier, letztes Jahr, als Ihr noch gegen den Strich gebürstet habt, habt Ihr mir viel besser gefallen!


1. Ukraine

Nun denn, aus der Auswahl "Hochleistungschoreo" - "Stimmakrobatik" und "Große Kunschd" gewann schlussendlich die große Kunst, und das, obwohl die Ukraine sowohl im Televoting als auch bei den Juroren jeweils auf Platz zwei gelegen hatte.  Aber wenn zwei sich streiten, freut sich halt der dritte, das ist beim ESC nicht anders als im richtigen Leben. Natürlich geht jetzt wieder das Gezacker los, was denn bei anderen Wertungssystemen gewesen wäre, aber scusi: Die Regeln sind, wie sie sind, die Ukraine ist der rechtmäßige Sieger. Ein Sieger allerdings für einen Abend, in den Charts bekommt "1944" keinen Fuß auf den Boden. Das verwundert auch nicht, das ganze ist schon SEHR gewöhnungsbedürftig. Dazu kommt Jamalas Stimme, die zumindest mir nicht so zusagt. Aber sei es, wie es sei, den Leuten hats gefallen, und sie hat ja ihre Sache auch sehr gut gemacht. Positiv seien noch zwei Dinge vermerkt: Erstens ist es ein gutes Zeichen, wenn das Außergewöhnliche gewinnt, und ich wünsche mir, dass auch das nächstes Jahr Schule macht. Und außerdem freue ich mich natürlich, dass im Meer der englischsprachigen Songs einer gewonnen hat, der eben nicht nur rein englisch war. Vielleicht lohnen sich ab dem nächsten Jahr ja dann die Karaoke-Versionen doch wieder! Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Nochmal das Finale, Platz 26

26. Deutschland

Bevor wir uns die Top 3 anschauen, möchte ich gern nochmal ans Tabellenende.

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass mein Fußballherz für den VfB Stuttgart schlägt. Aufmerksame Beobachter der Fußball-Bundesliga wissen, dass dieses Herz derzeit ein arg geschundenes ist, denn dieser 14. Mai war nicht nur ein weiterer letzter Platz für Deutschland beim ESC, sondern auch der wohl schwärzeste Tag der Stuttgarter Fußballgeschichte. Nicht nur der VfB ist abgestiegen, sondern auch die Kickers und die zweite Mannschaft des VfB. So gesehen war ich dann nach dem ESC wirklich restlos bedient.

Dabei hätte einen dieser letzte Platz eigentlich nicht verwundern dürfen, und mir ging schon in den Probenwochen ein wenig der Hintern auf Grundeis, weil ich mich fragte, wer Jamie-Lee denn eigentlich diesen letzten Platz hätte streitig machen sollen. Natürlich ist sie süß, natürlich singt sie gut, und natürlich kann man ihren Sieg bei der DVE vertreten. Aber "Ghost" ist als Song einfach nur dröööööööge und passt auch nicht wirklich zu ihr. Ich gebe zu, ich habe diese Tatsache in der VE ziemlich verdrängt, weil sie schon wirklich gut abgeliefert hat. Übrigens hat sie das auch in Stockholm. Aber eingekeilt zwischen Schweden und Frankreich hatte sie keine Chance zu strahlen. Das Outfit, das Europa dann doch wider Erwarten nicht verstanden hat, tat ein Übriges. Nicht umsonst ist sie Zweite beim Barbara-Dex-Award geworden, offensichtlich war den Leuten nicht klar, was denn ihr Style mit ihrem Lied und mit allem anderen zu tun hat. Ich gehe aber nicht davon aus, dass das in diesem Falle kriegsentscheidend war, immerhin gibt es ja in der Riege der BDA-Preisträger doch einige, die die Top 10 geknackt haben (Guildo Horn, Eldrine, Rona Nishliu, t.A.T.u., und Verka Serduchka wurde ja seinerzeit sogar Zweite). Das muss also nicht unbedingt den Absturz bedeuten, wenn alles andere stimmt. Nur stimmte halt vieles andere auch nicht.

Natürlich kommt dann die Frage, wen man sonst hätte schicken sollen (erst schocken getippt, geiler Vertipper!). Aus der VE? Avantasia vielleicht? Im Vergleich zu Zypern und vor allem Georgien der wesentlich schlechtere Beitrag, und was mit unsympathischen Sängern passiert, hat Jüri Postmann ja vorgemacht. Alex Diehl? Funktioniert meiner Meinung nach nicht auf der großen Bühne, auch wenn der Song leider nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Wochen genau so aktuell ist wie damals. Das ist ehrliche, handgemachte Musik von einem Sänger, bei dem die Botschaft wichtiger ist als die (nicht besonders herausragende) Stimme. Also so gar nix für den ESC, zumal Alex auch aus meiner Sicht bei weitem nicht professionell genug dafür ist. Alle anderen? Ach je. Alles... nett. Dafür, dass diese VE mit glühender Nadel gestrickt war, war das sehr ok. Keoma fand ich ganz schön. Aber ganz ehrlich: Alles in allem hatten wir keine bessere Wahl als die, die wir getroffen haben. Einem nackten Mann kann man nun mal nicht in die Tasche greifen. Und wir spielen bei der deutschen Vorentscheidung schon viel zu lange "Kaisers neue Kleider".

Und damit bin ich beim großen Elend, das in Deutschland seit einiger Zeit sein Unwesen treibt: Es wird sich nix mehr getraut. NIX! Der NDR macht sich, was den ESC angeht, zur Marionette der Plattenfirmen, aber wie man sieht, bringt das keine Erfolge. Leute, traut Euch endlich mal wieder was! Geht nicht auf Nummer Sicher, sondern rein in die Vollen! Risiko macht Spaß! Bringt mal einen Song auf Deutsch! Oder auf Chinesisch! Lasst die Puppen tanzen! Außerdem: Es kann doch nicht sein, dass sich niemand findet, der professionell genug und wirklich heiß auf diesen Wettbewerb ist. Ja, ich hör Euch schon alle "Xavier Naidoo" rufen. Ging in die Richtung, war trotzdem keine gute Idee, und das sehe ich bis heute so. Die Art und Weise, wie er abserviert wurde, war dennoch nicht gut.

Was ich klasse fänd: Wenn man wirklich mal die Fans mehr ins Boot holen würde. Es gab ja dieses Jahr schon gute Ansätze mit den Kunsthochschulen, aber das bringt alles nix, wenn der Song bzw. der Act nix taugt. NDR, wenn Kritik aus Fankreisen kommt, dann hört verdammt nochmal drauf und beharrt nicht darauf, dass Ihr das aber so und so gemeint habt - der europäische Zuschauer und der europäische Juror wissen das nicht, und wisst Ihr was: Es interessiert sie auch nicht!

Ich wäre ja schon glücklich, wenn wir nächstes Jahr mal eine VE OHNE Skandal hinkriegen. So weit sind wir schon. Die letzte wirklich skandalfreie VE war 2010. 2010. Was war nochmal 2010?

Was das alles mit dem VfB zu tun hat? Nun, hier in Stuttgart hat direkt nach dem Abstieg heimlich, still und leise das Großreinemachen angefangen. Da wurde alles rausgeschmissen, was nicht bei drei auf dem Baum war, und die Zeichen auf Neuanfang gestellt (Hitz is back in town!). Und genau das wünsch ich mir vom NDR ESC-bezüglich auch. Gebt es ab, wenn Ihr es nicht könnt. Wenn Ihr das nicht wollt, tauscht die verantwortlichen Leute aus (und das schließt Peter Urban ausdrücklich mit ein!). Und wenn Ihr das auch nicht wollt, dann traut Euch doch endlich mal was! Lieber mit Grandezza auf die Nase fliegen als mit Langeweile! Und wer weiß: Vielleicht fliegt man ja auch gar nicht auf die Nase, wenn man sich endlich mal wieder was traut?

Das Finale, Platz 4-6

Frankreich

Der eindeutige Liebling dieses Blogs wurde dagegen ein Opfer der schwedischen Kameras. Ich habe schon lange keinen Eurovisionsbeitrag mehr gesehen, der von der Kameraführung dermaßen hingemetzelt wurde. Leute, wenn ich einen derart hinreißenden, charmanten Sänger am Start habe, dann kann ich doch nicht nur Totalen bringen. Leider schwächelte Amir gesanglich auch ein wenig, vor allem am Schluss, so dass ich schon das Schlimmste befürchtete. Mit Platz 6 sehr ordentlich bewertet, aber natürlich bin ich trotzdem total enttäuscht - umso mehr, als ich meine 20 SMSe für Frankreich völlig umsonst rausgeballert habe, da es aus Deutschland (natürlich, möchte ich sagen) keinen einzigen Punkt für Amir gab. Aber dafür hab ich sogar eine Erklärung: Es könnte an der optischen Ähnlichkeit Amirs zu Mats Hummels liegen, der ja jetzt aus bekannten Gründen bei allen Nicht-Bayern-Fans (und das ist die Mehrheit) persona non grata ist. Trotzdem, ewig schade um den besten französischen Beitrag seit Patricia Kaas!


Schweden

Warum der schnöselige Frans dagegen die optimale Kamerführung spendiert bekam, werde ich wohl nicht verstehen. Das war ein solider Auftritt, der Song läuft ab und zu im Radio und dürfte wohl der diesjährige Charts-Gewinner sein. Der jüngste Teilnehmer im Feld konnte letztlich auch nicht viel falsch machen bei diesem Song. Da haben wohl alle kleinen Mädchen, die noch auf waren, reihenweise Mamas und Papas Geld für auf den Kopf gehauen. Na, meinetwegen, wenns schee macht... Mir gibt der Song ja nach wie vor nix, aber ich muss zumindest das Radio nicht ausmachen.


Bulgarien

Ich schrieb es schon bei Douwe Bob: Das schöne an diesem Wettbewerb ist seine Unberechenbarkeit. Eigentlich hätte das hier nämlich ebenfalls volle Kanne in die Hose gehen müssen. Seite abrasiert, ein Outfit, das in jedem anderen Jahr aus dem Stand den Barbara-Dex-Award gewonnen hätte und obendrein auch nicht funktionierte (der unterste Leuchtstreifen am rechten Bein leuchtete im Semi nur teilweise und im Finale überhaupt nicht), dazu Tanzbewegungen, die mit "seltsam" noch unzureichend beschrieben waren. Also alles, wofür man Bulgarien gemeinhin kennt und liebt, die machen bekanntlich keine Gefangenen. Aber eben auch: Eine wirklich saustarke Stimme, tolle Backings, die am Schluss aus ihrem Versteck geholt wurden (klasse Geste!), ein grandioser Song und einer der größten Sympathiebolzen, die jemals auf einer Eurovisionsbühne standen. Das war eine kosmische Wiedergutmachung für Polis schmähliches Ausscheiden anno 2011, die sich gewaschen hatte. Ich hätte niemals damit gerechnet, aber ich hab mir ein Loch in die Mütze gefreut!
PS: Hand aufs Herz, was habt Ihr beim Refrain verstanden? Bei mir wars: "Oh, I'm a roof top, I'm a roof top, I'm a roof top, you will never break this down."

Donnerstag, 21. Juli 2016

Das Finale, Platz 7 - 9

9. Litauen

Ich glaube, wir können es mal als eisernes Eurovisionsgesetz festhalten: Unterschätze niemals, niemals, niemals Donny Montell! Man mag ihn mögen oder nicht, aber der ist doch wirklich für die Bühne geboren. Schon in Baku, als er durch seine unglaubliche Bühnenpräsenz das dröge "Love is blind" auf Platz 3 im Semi hievte, hätte man ja eigentlich gewarnt sein müssen. Und auch in diesem Jahr strafte er alle Unkenrufer, die ihm das sichere Semi-Aus prophezeihten, Lügen. Das einzige, was den guten Eindruck etwas trübte, war seine dämliche Frisur, aber Donny ist der lebende Beweis dafür, dass einen schönen Menschen nichts entstellen kann. Und dieser Bursche ist ja nun wirklich bildhübsch. Und ganz nebenbei auch ein bestechender Performer, denn bis auf den Salto, wo er sowohl im Semi als auch im Finale in den Schnee auf den Boden gegriffen hat (oder sollte das so?), waren das zwei absolut perfekte Auftritte, die mit dem zweitbesten litauischen Ergebnis ever belohnt wurden.


8. Polen

Bei diesem Beitrag haben viele, viele Menschen in Europa irgendwas gesehen, das ich nicht gesehen habe. Dass er das Finale geschafft hat, fand ich schon überraschend, immerhin fand sich hier eine ähnliche Konstellation wie bei Douwe Bob: Ein Sänger mit dem alten Zirkusjackett von Freddy Quinn, nackten Füßen in schwarzen Slippern, schwarzem Nagellack und einer Wallemähne bis über die Taille. Ein leider sehr laaaangweiliger Song. Andererseits: Wunderschöne blaue Augen, ein Gesicht zum Niederknien und viel, viel Leidenschaft beim Singen. Da verzieh man ihm wohl auch die versemmelte erste Stophe im Semi und hievte ihn ins Finale. Diesmal traf er bei der ersten Strophe die Töne, hatte aber erkennbar Probleme mit dem Tempo. Aber ansonsten sang er genau wie im Semi um sein Leben. Nach Auszählung der Jurystimmen lag er mit sieben mageren Pünktchen auf dem vorletzten Platz vor Jamie-Lee. Na ja, zwischen Frankreich und Australien war aber auch ein doofer Startplatz. Und dann lässt er beim Televoting beide deutlich hinter sich und hievt sich hinter Russland und der Ukraine auf Platz 3?! Wie gesagt: Manchmal ist mir dieser Wettbewerb ein absolutes Rätsel...


7. Armenien

Falls sich jemand fragen sollte, welcher Beitrag gegenüber der Vorbesprechung bei mir den größten Sprung gemacht hat: Dieser hier. Es ist auch derjenige, den ich mir seit dem ESC mit Abstand am häufigsten angesehen habe. Das war aber auch der Hammer: SO singen, SO aussehen, SOLCH eine Präsenz und fraglos die beste Kameraführung aller Teilnehmer. Da kann man nur schauen und genießen - der Song bleibt zwar anstrengend, ist aber alles andere als Schund und wirklich kongenial umgesetzt. Und nein, das war nicht nuttig, das war genau richtig dosiert! Das hätte gut und gerne noch weiter vorne landen können, aber aus zwei Gründen nicht auf der Pole Position: Erstens wäre dann mein Hörtest für die Hühner gewesen (so aber hat die Serie gehalten), und zweitens hat die ansonsten supersympathische Iveta da im Semi so eine Aktion gebracht... wir reden später noch darüber. Außerdem war der Semi-Auftritt absolut perfekt, aber der Finalauftritt hatte ein paar kleine stimmliche Wacklerchen drin. Trotzdem. Chapeau, Armenie, das war schlicht fantastisch und wurde deutlich zu schlecht bewertet!

Mittwoch, 20. Juli 2016

Das Finale Platz 10 - 13

13. Österreich

Das Land des Hausherrn dieses Blogs gehört zu den wenigen, die sich dieses Jahr mal was getraut haben. Leider wurden sie dafür nicht belohnt, und das ist ausschließlich den Jurys zu verdanken (meine Meinung zu den Jurys dieses Jahr: Siehe Mazedonien). Der Televoter hatte ZoëZoë nämlich im Semi auf Platz 2 und im Finale auf Platz 8, was beides wesentlich angemessener gewesen wäre als die tatsächlichen Plätze 7 und 13. Was bitteschön hat Euch denn daran nun nicht gefallen, Juroren? Ein wunderhübscher französischsprachiger (!) Song (in keiner anderen Sprache hätte das gesungen werden dürfen!), der zumindest mich sofort fröhlich macht, eine süße Sängerin mit einer Stimme wie Vanessa Paradis, die zwar zum Anfang des Semis sehr aufgeregt war, das aber trotzdem mit Bravour gemeistert hat, und ein hinreißender Bühnenhintergrund. Außerdem haben sie alles weggelassen, was in der VE noch zuviel war, etwa das Laufband. Mir ist schon klar, entweder liebt man es (zum Beispiel ich) oder man hasst es (zum Beispiel die Juroren). Und ich hab recht!


12. Malta

Im Gegensatz zu Zoe bekam Ira ihre Punke zum allergrößten Teil von den Jurys. Die Televoter stehen wohl nicht auf schwangere gereifte Diven. Schwanger? Ja! Falls es irgendwer noch nicht mitbekommen haben sollte: La Losco ist schwanger. Okay, Ihr habts doch mitbekommen. Wenn schon nicht durch ihr Strahlen und die trefflich in Szene gesetzte Oberweite, dann aber spätestens durch ihr Babybauchtätscheln am Ende des Finalauftrittes. Is legitim, darf man machen. Mit dem Song werde ich immer noch nicht so richtig warm, und auch die Kameraführung tat ihr keinen Gefallen - die war nämlich mehr an dem Schlitz in ihrem Kleid und ihrem linken Bein interessiert als an ihrem nach wie vor makellosen Gesicht. Übrigens hätte ICH zu dem Schlitzkleid niemals Stiefeletten angezogen, sondern irgendwas, wo man auch den Fuß sieht, aber mich fragt ja keiner. Andererseits sang Ira aber sehr ok (meine erste Reaktion im Semi war: "Huch, die kann ja wirklich singen!"). Aber für die Top Ten hats halt nicht gereicht.


11. Niederlande

Manchmal gibts Sachen, die gibts echt gar nicht. Eigentlich schrie alles an Song und Auftritt "Semi-Aus!": Douwe Egberts Bob im blauen Dreiteiler, dazu das rausguckende Rosen-Tattoo am Hals, die Zehnsekunden-Pause, in der das Publikum anfing zu johlen und Douwe die Worte "I love you too, Baby" sprach, nachdem die Musik wieder einsetzte, beflirtete er das Hallenpublikum, als gäbs kein Morgen. Ach ja, und der Song fällt in die Kategorie "angenehm locker-flockig-unangestrengt" und ist dabei so zeitlos (deshalb auch die Zifferblätter auf dem Bühnenboden), dass den ohne weiteres Henk Hofstede vor dreißig Jahren hätte schreiben können (jetzt müsste man wissen, wer Henk Hofstede ist, gell?). Aber der Songcontest ist zuweilen von faszinierender Unberechenbarkeit. Auch dass eine Finalstartnummer 3 einen auch mit einem unauffälligen Song an den Rand der Top Ten bringen kann, ist ja eher die Ausnahme. Aber sowas geht halt auch nur, wenn man sich mit all den oben genannten Dingen ansonsten nicht den allerkleinsten Patzer erlaubt. Und gesanglich klangen beide Auftritte perfekt wie von CD, insbesondere auch die Backings waren herausragend. Aus meiner Sicht eine sehr erfreuliche Überraschung! Da hätte ich nicht mit gerechnet!


10. Belgien

Im zweiten Semi war man gezwungen, siebzehn Wagenladungen voller nicht ganz leichter bzw. vollkommen unverdaulicher Kost zu genießen. Und dann kommt auf Startplatz 18 auf einmal so eine frische Brise daher. Kein Blau im Bühnenhintergrund. Ein superniedliches, authentisches, unverbrauchtes junges Ding, das zwar stimmlich niemals die Champions League gewinnen wird, ber mit seinen Tänzern einfach Riesenspaß auf der Bühne und überdies seit der VE erkennbar an seinem Beitrag gearbeitet hat. Das war drei Minuten Erholung! Und natürlich war in dem Moment, als bei der Finalistenverkündung "Belgium" gesagt wurde, klar, dass das das Finale eröffnen würde. Dort brachte man noch ein paar lustige Tüchlein in schwarz-gelb-rot mit, ansonsten war alles wie im Semi einschließlich Publikumsanimation (die übrigens dieses Mal vom Televoter nicht bestraft wurde) und lustigem Umzug auf dem Catwalk. Belgien sichert sich ja seit einiger Zeit das Monopol auf die lustigsten Tanzschritte, und das ist bisher jedes Mal belohnt worden. Auf jeden Fall: Dat hat Spass jemacht!

Sonntag, 17. Juli 2016

Das Finale Platz 14-17

17. Aserbaidschan

Da hat sie uns ja alle hübsch an der Nase herumgeführt, die gute Samra. In den Proben sang sie so verheerend, das fast jeder Beobachter das erste Semi-Aus für Aserbaidschan für eine ausgemachte Sache hielt. Aber im Semi und im Finale schaffte sie es tatsächlich, ihren Song gesanglich einigermaßen unfallfrei auf die Bühne zu bringen. Dazu dann noch ordentlich Pyro, wie sich das fürs Land of fire gehört. Über die Klamotten der Tänzer breiten wir mal den Mantel des Schweigens, wie auch über Samras merkwürdigen Hosenanzug, der in seiner Machart verdächtig an den Body von Iveta erinnerte. Haben Armenien und Aserbaidschan etwa den gleichen Schneider gehabt?


16. Italien

Der 16. Rang für Italien hat unsere Runde kollektiv enttäuscht. Das war doch sooo schön: Italienische Sprache, ein hinreißendes Bühnenbild und eine ebensolche Sängerin. Leider war Francesca nicht immer so ganz tonsicher, aber Herrgott, anderen Beiträgen verzeiht man das doch auch. Was bitte hat denn Juroren und Televoter so irritiert? Am Ende gar die frühe Startnummer? Ach, mer waaß es net, mer vermuts nur. Jedenfalls ein wunderschöner Beitrag hoffnungslos unter Wert geschlagen. Sehr, sehr schade drum. Lieber Sixtus: Bitte schimpf Jurys und Televoter Idioten.


15. Lettland

Auch die Letten hätte man nach dem sechsten Platz des Vorjahres weiter vorn erwartet. Der süße Justs sang sich dann auch die Seele aus dem Leib. Der Song kommt nicht ganz an "Love Injected" ran, und irgendwas hat mir auch bei der Performance gefehlt. Am Gesang lags nicht, der war einwandfrei. Vielleicht war es sein unmotiviertes Rumlaufen. Oder die Tatsache, dass er am Ende der drei Minuten doch sehr wie ein verschrecktes Kaninchen aussah. Vielleicht fehlt da noch ein bisschen die Erfahrung. Soll in fünf Jahren nochmal wiederkommen - dann kassiert er die Trophäe ein!


14. Israel

Ich frage mich, wer das israelische Budget genehmigt hat. Drei Viertel davon ist nämlich fürs Shoppen im Swarovski-Laden draufgegangen. Ist aber egal, denn in diesem Falle passt es. Das waren zwei richtig, richtig tolle Auftritte. Die Tänzer im Hula-Hoop-Reifen hätte ich jetzt nicht unbedingst gebraucht, aber soooo gestört haben sie dann auch nicht. Aber Hovi wäre auch allein stark genug gewesen. Er hat auf der Bühne alles richtig gemacht, und dass er ohne Frage einer der besten Sänger des Jahrgangs ist, hat sicher nicht geschadet. Und: Nie war die Golddusche so passend!
PS: Der Song hat mir übrigens vor kurzem einen wirklich magischen Moment beschert. Ich war abends gegen kurz nach neun auf der A8 aus Richtung Wendlingen unterwegs nach Hause, bin also Richtung Westen gefahren. Im Himmel hatte man sich entschlossen, endlich mal wieder so richtig die Pinsel rauszuholen und sich auszutoben. Im CD-Player hatte ich den Eurovisionssampler, und just als dieser unglaubliche Sonnenuntergang am allerschönsten war, kam "We are made of stars, silver fragments fallin', we are made of stars...." Und in dem Moment hat mich das total mitgerissen, und ich hab gedacht, er hat recht. Wir sind wirklich made of stars. (Leider vergessen wir das zu oft)

Donnerstag, 14. Juli 2016

Das Finale Platz 18-21

Uff. Eigentlich wollte ich ja nach Beginn der Nachlese täglich bloggen, aber ich war abgelenkt. Musste Fußball schauen. Soviel sei schon mal gesagt: Beim Fußball ist es wie beim ESC, nicht immer gewinnt der Beste. Und die Welt ist seit meinem letzten Posting bekanntlich auch nicht besser geworden, aber dazu später mehr. Jetzt erstmal weiter im Text:

21. Zypern

Rock! Im Finale! Sehr erfreulich, Europa, dankeschön! Die Zyprioten konnten auch kaum was falsch machen, eine derartige Nummer bringt man ohne viel Schnick und Schnack auf die Bühne, und dann ist gut. Okay, die Negativeinsprengsel und die eingeblendeten Wölfe waren dann doch ein wenig Schnickschnack, hat aber nicht geschadet. Alles in allem war das einwandfrei, wenn auch der Gesang im Finale gegenüber dem Semi ein kleines bisschen abfiel (zuviel gefeiert?). Mehr als Platz 21 kann man für eine solche Nummer leider nicht erwarten. Aber das Finale sei ihnen von Herzen gegönnt, es sind schon ein paar coole Socken. ("Do you want first or second half?" "I want a beer").


20. Georgien

Mei, was war der Jubel bei mir und meinen Mitguckern groß, als es die Georgier ins Finale geschafft haben! Für uns war das klar das beste des zweiten Semis, und keiner von uns hätte einen Pfifferling drauf gegeben. Aber das war auch klasse: Ein sperriger, gitarrenbratziger Song, schnörkellos vorgetragen, eine tolle Lightshow und Spiegeleffekte bei der Kameraführung - das machte einfach Spaß. Dass die große Meute das nicht goutiert, war leider ebenfalls klar, aber Top 20 - immerhin! Überraschenderweise trotz größerer Sperrigkeit sogar einen Platz vor Zypern. Mehr war da vermutlich nicht drin.


19. Ungarn

Nach drei Ausscheidern war klar, dass so langsam im Semi 1 mal was passieren muste. Freddie ist sehr hübsch und hat eine interessante Stimme - das reichte schon. Der Song fällt unter "solide", aber Freddie sang sich die Seele aus dem Leib,wenn er auch im Semi nicht immer hundertprozentig tonsicher war. Das Gewackel der Backings erinnerte ansatzweise an das von Jakob Sveistrup anno 2005, und das Pfeifen hat man sich von Sebalter abgeschaut. Solider Beitrag, wie gesagt, solide platziert. War eh nie ein Kandidat für ganz vorne.


18. Serbien

Bei Sanja dagegen bin ich vom Abschneiden sehr enttäuscht. Die hätte ich dann doch etwas weiter vorne erwartet. Nun hatte sie extra ihr Amy-Winehouse-Make-up abgelegt und ihre Manierismen deutlich reduziert. So ein leichter Hang zum Übertreiben war immer noch da, war aber bei der Präsentation ihres Beitrags seinerzeit deutlich schlimmer. Dafür hat sie aber dann sämtliche Lakritzschnecken-Vorräte in Belgrad aufgekauft und sich ein Kleid draus schneidern lassen. Nicht mal die Haare blieben davon verschont. Bäh. Haben sie das wenigstens hinterher zusammen aufgegessen? Gesanglich wars natürlich ganz großes Tennis (bis auf die hohe Note vor der Rückung im Finale), und der Song ist ja auch nicht gerade Schund. Das hätte eigentlich ein bisschen weiter nach vorne gehört!

Montag, 20. Juni 2016

Das Finale Platz 22-26

26. Deutschland

ist mir demnächst ein eigenes Posting wert.


25. Tschechien

Vorletzter ist ja an und für sich nicht wirklich ein Grund zum Feiern, aber: wir reden hier von den Tschechen! Die bisher mit Abstand erfolgloseste aller Eurovisionsnationen hat endlich einmal das Rezept dafür gefunden, wie man ins Finale kommt. Und das ist ja mal ein Grund zum Feiern! Eigentlich hätten sie es 2007 und 2015 schon verdient gehabt, und jetzt hat es endlich geklappt! Auch Christer und Co. dürften über diesen Finaleinzug sehr happy gewesen sein, war doch damit klar, wem sie auf diese Weise ungestraft den Todesslot zuschustern konnten. Und der dürfte bei Gabis 0 Punkten im Televoting kräftig mitgeholfen haben. Sie sang nämlich sowohl im Semi als auch im Finale super, sie ist ne Hübsche, Kleid war ok, Song so lala - nur die Blumenkohlkette hätte sie wohl besser daheim gelassen, und den Frisurtrick hätte es auch nicht gebraucht. Aber diese 0 verstehe, wer will. Glücklicherweise hatten die Jurys ein Einsehen (meine an anderer Stelle geäußerten Beschimpfungen nehme ich aber deshalb noch lange nicht zurück)


24. Großbritannien

Hier gibts dann gleich mal ganz viel, was ich nicht verstehe. Erstens hat es mich verblüfft, dass das UK bei den Bookies, wenn ich mich recht erinnere, zeitweise an der Top Ten gekratzt hat. Warum? Man weiß es nicht. Auch hat mich überrascht, dass die beiden ausgesprochen hübschen Bubis auf der Bühne die beste britische Performance seit Jade Ewen abgeliefert haben. Damit war ja nun weiß Gott nicht zu rechnen. Honoriert wurde das ganze nicht, denn mit mageren 62 Punkten langte es nur für Rang 24. Schuld waren dieses Mal die Televoter, denen das ganze lediglich 8 Punkte wert war. Vielleicht war man vom selbsternannten Mutterland des Pop schlicht und einfach generell enttäuscht. Ich weiß es nicht.


23. Kroatien

Ladies and Gentlemen, here comes da winner! Vom Barbara Dex Award für das schlimmste Kostüm, wohlgemerkt. Tja. Das Kostüm war wohl als große Kunschd gedacht, aber die meisten Zuschauer dachten wohl das gleiche: "Was um alles in der Welt hat die da AN?" "Oh Gott sei Dank, man zieht es ihr aus!" "Und was bitte hat sie JETZT an?" Nun hat die gute Nina einfach einen sehr speziellen Stil, wie man ja auch auf den Bildern vom roten Teppich sehen konnte (guckstu hier). Das kann man toll finden, muss man aber nicht. Was mich richtiggehend ärgert: Unter normalen Umständen wäre die kroatische Antwort auf "Zombie" von den Cranberries sicher im Finale gewesen. Mit dieser Klamotte ist Nina als Zehnte gerade so durchgerutscht. Da ihr Gesang im Finale dann auch noch deutlich schlechter war als im Semi, muss sie sich über ihre Platzierung nicht wundern. Echt schade, da wäre mehr dringewesen! Immerhin hat es Kroatien zum ersten Mal seit 2009 überhaupt mal wieder ins Finale geschafft, und das ist doch auch schön.


22. Spanien

Natürlich war das ein Hallenburner vor dem Herrn. Die lustigen Fußbewegungen kamen zumindest im ersten Refrain gut, im zweiten hat die Kamera sie leider nicht mehr gefunden. Barei hat auf der Bühne auch ordentlich Alarm gemacht, aber dennoch hat sie hier mindestens zehn Plätze verschenkt. Der inszenierte Sturz kam schon seinerzeit bei Rodolfo Chilikuatre nicht gut, und bei ihr passte es überhaupt nicht und befremdete nur (man konnte an dieser Stelle aus dem Publikum übrigens auch deutliche Buhrufe hören!). Dazu kam ein mordsmäßig ungünstiger Fummel und eine vollkommen verunfallte Frisur, dabei ist sie so eine Hübsche! Was will man da machen. Der Song gefällt mir bei jedem Hören mehr, aber die Performance muss halt stimmen und darf nicht irritieren, da kann die gute Barei noch so viel Spaß gehabt haben. Ist eigentlich überliefert, wie es ihren Stimmbändern aktuell geht? Also, meine Stimme hätte DAS nicht auf Dauer durchgehalten...

Sonntag, 19. Juni 2016

Die Ausscheider des 2. Semis (2)

Und der Rest der Unglücksraben und -rabinnen:

Slowenien

Bei manchen Beiträgen weiß man einfach von vornherein, dass sie nichts reißen werden, da kann die Bühnenshow noch so perfekt sein. Die Dame mit der hübschen BinnenMajuskel [sic!] machte dann auf der Bühne auch ziemlich viel richtig. Gesanglich war das einwandfrei, und sie machte keine Hampeleien, die irgendwie ablenkten. Allerdings, und das ist ein großes Allerdings, die Fehler wurden bereits vorher gemacht. Der Song selbst ist von der Marke "beim ersten Hören nichtssagend, aber nach drei Monaten hat man sich das schöngehört", also im Klartext nicht der Rede wert. Und wenn der Song schon "Blue and Red" heißt, warum ist die Bühne dann nicht red, sondern nur blue? Dann ManuEllas Gewandung: So viel Dekollete zeigen und dabei so unsexy aussehen, das muss man auch erstmal hinkriegen. Das wirkte eher so wie "braves Töchterchen macht auf verrucht". Und was der halbnackte Stangentänzer auf der Bühne zu suchen hatte, weiß irgendwie auch kein Mensch...


Dänemark

Bei meiner Schnuckelaufzählung gestern hab ich die Dänen vergessen, das war natürlich Schnuckelalarmstufe rot, wobei der rechts allerdings verdächtig danach aussah, würde er demnächst bei den Toppers einsteigen. Und sie haben das auch durchaus ansprechend gemacht. Solide gesungen, Bühnenshow bis auf die beleuchteten Mikroständer (das ist doch soooo 2006!) okay, Bleibt halt der unsägliche Song. Aber unsägliche Songs sind wir von den Dänen ja eigentlich gewohnt...


Norwegen

Auch wenn das einem sehr lieben Freund, von dem ich vermute, dass er hier mitliest, nicht gefallen wird: Gott, bin ich froh, dass das draußen ist! An diesem Beitrag ärgert mich so ungefähr alles. Der Gesang am Anfang flach wie ein Brett, dieser TEMPOWECHSEL (ARGH!), und das Outfit von der Dame war auch nichts, auf dem ich mein Auge verweilen lassen möchte. Das war kein Eisbreaker, das war der Eisberg persönlich. Liebe Norweger, Ihr könnt das ja eigentlich, habt Ihr zur Genüge gezeigt. Nächstes Mal bitte wieder so wie in den Jahren 2013 - 2015, ja?


Albanien

Liebe Albaner, diese drei Minuten Lebenszeit hätte ich gerne zurück! Musste es unbedingt dieser Song sein? Musste es unbedingt diese Sängerin sein? Ihr Maskenbildner hasst sie offensichtlich, der hat sie nämlich auf alte unsympathische Schabracke geschminkt, warum weiß kein Mensch. Und am Kleid durfte sich noch der albanische Origamimeister verewigen. Ja, sie hat einigermaßen gut gesungen, aber anstrengend bleibt anstrengend, da beißt die Maus kein' Faden ab. Und ich stimme allen zu, die das schon gesagt haben: Wie blöd muss man sein, um einen an und für sich gar nicht schlechten Beitrag dermaßen kaputtzubügeln? Mit der Version aus der albanischen VE hätte sie durchaus eine Chance gehabt!

Freitag, 17. Juni 2016

Die Ausscheider des 2. Semis (1)

Weiter gehts mit den Ausscheidern des zweiten Semifinals:

Schweiz

Es gibt Beiträge, über die sollte man eigentlich besser gar nix schreiben. Da ich aber meiner Chronistinnenpflicht Genüge tun will, muss es wohl doch sein. Also gut: Rykka sang nicht ganz so verheerend wie in der Vorentscheidung, aber immer noch schlimm genug. Dazu kommt, dass sie nach wie vor nicht die Stimmstärkste ist und das Liedlein einfach nur öööööde. Was gabs noch? Ach ja. Das ... äh ... Outfit. Und die blaugrau gefärbten Korkenzieherlocken. Und die seltsame "Ich-geh-in-die-Knie-und-wieder-hoch"-Choreo. Ach Schweiz...
Und übrigens, to whom it may concern: Auch die Golddusche verhindert keinen letzten Platz!


Weißrussland

Skandal, Skandal! Ivan wollte nackt mit Wölfen auf die Bühne, und dank der Holographie hat er es dann auch tatsächlich geschafft. Wunder der Technik oder: Dinge, die die Welt nicht braucht. Der Song ist ja gar nicht mal schlecht, immerhin lenkte er während der drei Minuten auch nicht von dem Overkill da auf dem Bühnenhintergrund ab. Das einzige, was da störte, war dieser komische frisurverunfallte Typ mit den drei weißen Streifen (sponsored by adidas?) im Gesicht. Und natürlich das Baby am Schluss - war das etwa AUCH der Ivan?
Aber ich bin ja froh, dass er das mit dem Hologramm von sich gemacht hat. Das hat nämlich den guten Monzi dazu inspiriert, ebenfalls blank zu ziehen (und der sieht nackt BEDEUTEND besser aus als Ivan), und wann bekommt man das schon mal zu sehen? (Okay, bekommt man ständig zu sehen, is aber immer wieder schön :-) )

Irland

Ich weiß nicht, worauf die Iren eigentlich bei Nicky Byrne gesetzt haben. Der Song? Ah wa. Der taugt zum Tanztee am Seniorennachmittag (obwohl ich mir die Nummer inzwischen schön gehört habe). Stimmlich hat der Gesangslehrer immer ins Zeugnis geschrieben "Nicky hat sich sehr bemüht". Das einzige, was da bleibt, ist die Optik. Nuuuun... klamottentechnisch war das gar nix, und falls Nicky gehofft hat, die Schnuckelpunkte abzugreifen, ist das böse danebengegangen. Die hatte Justs zu diesem Zeitpunkt schon abgegriffen, und alles, was der übrig ließ, kassierte später Donny Montell ein. Nicky wirkte im Vergleich zu diesen beiden auch an der Schnuckelfront nur wie dritte Wahl. Seine Bühnenpräsenz war ok, aber um ins Finale zu kommen, ist das einfach zu wenig.


Mazedonien

Wer die wunderbare Kaliopi rauswirft, soll mit Fegefeuer nicht unter zweihundertfünfzig Jahren bestraft werden! Verdammt nochmal, Jurys, was wollt Ihr denn NOCH? Eine bestechende Bühnenpräsenz. Alle anderen platt an die Wand gesungen. Der Song in der Landessprache. Okay, den letzten Ton hätte sie sich sparen können, aber das hat zumindest die Televoter nicht gestört, die haben sie nämlich auf Platz 8 gesetzt! WAS verdammt nochmal war es?
Jurys sind Wichser. Ende der Durchsage.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Die Ausscheider des 1. Semis (2)

Weiter gehts mit dem Rest:

Estland

Es kommt wohl selten vor, dass man das Ausscheiden eines Beitrags dermaßen eindeutig an einer bestimmten Sache festmachen kann. Stig Rästa weiß, wie man einen Song schreibt, und "Play" ist an und für sich auch ganz okay. Auch Jüris überraschend tiefe und volle Stimme weiß zu gefallen. Die Inszenierung - na ja, bisschen statisch, alles extrem cool. Kann man machen. Aber, und das ist ein großes Aber: Ich glaube, selbst wenn man sich angestrengt hätte, hätte man wohl niemanden finden können, der NOCH unsympathischer auf der Bühne wirkt. Angeblich ist Jüri ja ein Netter, aber DAVON war nun wirklich nix zu merken. Du liebe Güte, war das schnöselig! But Schnösel does not get points, und so war es nur folgerichtig, dass Jüri in diesem Semi Letzter wurde.


Montenegro

Jawoll, hau wech die Scheiße! Der neben San Marino wohl chancenloseste Beitrag im ersten Semi, an ein Weiterkommen haben sie wohl nicht mal selber geglaubt. Und was macht man in so einem Fall: Man fordert den Gitarren alles ab, was sie so hergeben, bratzt in die Mikros und liefert einfach so ab, wie man sich das selbst vorstellt. Einzig auf die leichtbekleidete Schickse hätte ich verzichten können Spätestens der weitaus glattgebügeltere Auftritt der Zyprioten nagelte den Sarg hier endgültig zu - aber is doch egal! Ich hatte drei Minuten lang Spaß, und nur darauf kommts an!


Island

Jedes Semi hat mindestens einen Trauerfall. Jedes. Immer. Hier ist der von diesem Semi. Ich hab Greta eigentlich bombensicher im Finale gesehen, aber dann ist genau das passiert, was alle vorausgesehen haben: Nach dem russischen Hologramm-Overkill wirkte ihr Beitrag einfach abgekupfert. Dabei war die Umsetzung absolut stimmig, Greta machte ihre Sache sehr gut und war bis auf einen kleinen Wackler am Anfang auch stimmsicher. Leider war die ganze Sache wohl für die breite Masse zu düster. Unendlich schade ...


Bosnien-Herzegowina

Ist das bitter. Da haben wir uns jahrelang danach verzehrt, dass die Bosnier endlich wiederkommen, und kaum sind sie wieder da, kassieren sie ihr erstes Semi-Aus. Und so weh mir das tut: Das Aus kann man vertreten. Die Balkanballade ist (natürlich) wunderschön wie immer, wird aber durch den Rap komplett ruiniert. Dazu kam der Gesang, der zumindest im ersten Refrain eher geschrien wurde, und leider waren auch die Kostüme jenseits von grenzwertig. Das passte zwar zur Thematik des Songs, aber nicht zur Laune der Europäer. Liebe Bosnier: Aufstehen, Mund abputzen und bitte, bitte weitermachen! Ich fänds unglaublich schade, wenn Ihr jetzt wieder verschwinden würdet!

Mittwoch, 15. Juni 2016

Nachlese, Teil 1 - die Ausscheider des 1. Semis (1)

Sodele, jetzt ist genau Monat nach dem Songcontest ins Land gegangen. Ich habe mir erlaubt, mal wegzufahren (Dreckswetter), und inzwischen hat ja auch die EM angefangen. Da das aber, so wie es derzeit aussieht, keine supererfreuliche Veranstaltung zu werden droht (und damit meine ich weder die vollkommen unnötige Niederlage der Österreicher im ersten Gruppenspiel noch die olfaktorische Untersuchung der eigenen Familienjuwelen durch den deutschen Bundestrainer), machen wir doch lieber das, wofür wir eigentlich hier sind, und schauen uns mal den ESC 2016 im Rückblick an.

Wir beginnen mit den Ausscheidern des ersten Semis:


Finnland

Würdet Ihr ernsthaft glauben, dass Sandhja beim Barbara Dex Award um das scheußlichste Outfit dieses Jahres die Top 5 nicht knacken konnte? Zugegeben, die Konkurrenz war schon hart dieses Jahr (und der Sieger ist absolut verdient, aber dazu später mehr), aber bittschön: Dieser hellblaue hautenge Einteiler (Strampelanzug?) mit den Stiefelchen und der völlig verunfallten Frisur war schon eine Klasse für sich. Dazu kreischte sich Sandhja dissonant durch ihren gnadenlos mediokren Song, dass sich ob der Tontreffquote zumindest der Schreiberin dieser Zeilen die Zehennägel aufrollten. Hab ich noch was vergessen? Ach ja: Der etwas ... ähm ... eigentümliche Tanzstil. Der praktisch die ganze Zeit nach hinten gestreckte Popo erinnerte zumindest mich an was ganz anderes. Völlig verdient im Semi raus. Ach, Finnland.... wir wissen ja, was Ihr drauf habt, aber das war ja nun nicht muh und nicht mäh. Das hätte Moldawien auch gekonnt!


Griechenland

Ja, richtig gelesen, da steht Griechenland. Und es war nicht mal knapp, denn auch im Televoting dieses Semis wurden die Hellenen gerade mal 14. Dabei fand ich den Beitrag im Vorfeld richtig gut, aber als es dann drauf ankam, enttäuschten die Griechen auf ganzer Linie. Wenn man einen solch repetitiven Beitrag hat, muss man was draus machen und durch die Performance Abwechslung schaffen. Das gelang aber nicht. Es kam absolut gar nichts rüber. Der Gesang war dünn, die Hosen der Männer seltsam, und der halbnackte Tänzer am Schluss hat es dann auch nicht mehr rausgerissen. Schade drum.


Moldawien

Manche Leute auf der ESC-Bühne können einem echt Leid tun. So gings mir mit Lidia. Die Frau kann nämlich wirklich gut singen, sieht klasse aus (die Haare!!) und hat eine makellose Leistung abgeliefert. Eigentlich. Wäre da nur nicht dieses Ostblock-Billigliedchen gewesen und vor allem der sie völlig sinnfrei umtanzende Astronaut. Hat dem eigentlich unter seinem Helm jemand die Glatze mit einem Silberlackstift angemalt? Und warum hat man Lidia aus schwarzem Tüll und einem kaputten Spiegel ein Kleid geschneidert? Schickt die Dame ruhig nochmal, sie kanns und war mit diesem Mist gnadenlos unterfordert - aber dann gebt ihr einen gescheiten Song und anständige Klamotten!


San Marino

Leonard Cohen goes Disco. Von allen Beiträgen des Jahres 2016 hatte dieser hier wohl im Vorfeld die geringsten Chancen, und nicht wenige wetteten ihn als sicheren Letzten des ersten Semis. Erstaunlicherweise kam es anders, deutlich anders sogar. Das lag wohl vor allem daran, dass Serhat bei seiner Performance absolut keine Fehler machte - und damit ist jetzt nicht der Gesang gemeint, sondern vor allem die Inszenierung. In die Jahre gekommener Crooner wird von jungen Glitzerschicksen umtanzt und schert sich nicht drum. Genau so muss man das auf die Bühne bringen. Natürlich war das Trash at its best, aber zumindest in my humble opinion hochgradig unterhaltsam.