Montag, 17. April 2017

Die Eurovisionsklasse 2017 - Ein erstes Fazit

So, nach knapp vier Stunden Dauerbeschallung tut die Stille gerade recht wohl. Es ist kein schlechter Jahrgang, der uns da präsentiert wird. Italien ist natürlich herausragend und wird, wenn Francesco nicht von der Bühne in Kiew weggehalten wird, haushoch gewinnen. Aber auch viele der anderen haben sich richtig viel Mühe gegeben, mal was anderes zu schicken. Es gefällt mir nicht immer, aber es ist immer unbedingst zu begrüßen.

Was bleibt noch festzuhalten?

- Die Semis sind beide Metzel-Semis. Sehr ausgeglichen. Das war in den letzten Jahren schon klarer, da wird die Tagesform entscheiden.

- Mehr Landessprache wär schön gewesen. Leider wurden meine Hoffnungen nach dem zweisprachigen Siegerlied aus dem letzten Jahr da enttäuscht. Nun ja. Vielleicht wird es nächstes Jahr besser.

- Die 4-Chord-Songs halten sich in Grenzen. Gut so.

- Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass die Songs insgesamt melodischer daherkommen als noch in den Vorjahren. Auch ist nicht mehr alles in Moll. Alles unbedingt zu begrüßen.

- Ich bin komplett ohne Äppelwein ausgekommen, obwohl ich eine Pulle im Kühlschrank hatte. Aber jetzt hab ich mir die Pulle verdient, aber sowas von!

- Wie immer geht ein großer Dank an die beiden besten Eurovisionswebseiten von allen, nämlich den Prinzblog und aufrechtgehn.de, die mir wie immer superzuverlässig die Videos geliefert haben.

- Ein weiterer Dank geht an den mitschauenden Nachwuchs, der das ganze außerordentlich kurzweilig zu kommentieren wusste.

- Und last but not least: Ein ganz großer Dank an alle, die immer mal wieder hier reinschauen und unsere Ergüsse lesen! Schön, dass es Euch gibt!

Die Eurovisionsklasse 2017 - Teil 7

Spanien – Manel Navarro – Do it for your Lover

Bekanntlich gab es ja bei der spanischen VE einen Skandal, weil die Jury Manel gegen den erklärten Publikumswillen durchdrückte. Sooo schlimm ist der Song aber nun auch wieder nicht. Nur die Effekte gegen Ende des Refrains machen da ganze ein wenig kaputt. Und das Gejodel sollte er auch lassen. Ich sehe allerdings für Kiew schwarz, weil die Spanier in den letzten Jahren schon öfter mit ihren hochgejubelten Beiträgen auf die Nase geflogen sind. Wie wird das wohl einem Beitrag ergehen, der im eigenen Land schon so einen schweren Stand hat? Manel wäre aber nach dem ganzen Zirkus zuhause wenigstens zu wünschen, dass er nicht letzter wird.
Chancen auf die Top Ten: Keine.
Madrid 2018: Ohne Worte.
6/10


Frankreich – Alma – Requiem

Wenn ich mich richtig erinnere, ist ein Requiem doch eigentlich eine Messe für Verstorbene. Dafür kommt die gute Alma in ihrem Clip aber recht fröhlich daher. Auch wird getanzt, wenn auch nicht auf Gräbern. Nicht ganz so furios wie der wunderbare Vorjahresbeitrag, aber sehr modern und wird auch gut abschneiden.
Chancen auf die Top Ten: Aber ja!
Paris 2018: Das glaub ich nicht. Wenn Amir es nicht geschafft hat, schafft sie es auch nicht.
7/10


Großbritannien – Lucie Jones – Never give up on you

Lucie von Lippenstift bis Unterkante Saum in Weinrot mit passender Tönung auf dem Kopf. Singen kann sie, diesen Anfang mit der spärlichen Musikbegleitung muss man so auch erstmal hinkriegen. Sie singt so, wie ich das von jemandem erwarte, der unter die letzten sechs einer Castingshow gekommen ist. Is halt en Ballädsche, das mich nicht erreicht und von dem ich mich die ganze Zeit frage, wann es denn endlich losgeht. Wenn man da im letzten Teil noch ein bisschen Wumms reinbringt, würde mich das auch abholen. Lucie hat zwar in der VE um ihr Leben gesungen, aber was nützt einem das, wenn das Lied nicht mehr hergibt?
Chancen auf die Top Ten: Ach geh doch weg. Was das Mutterland des Pop uns seit einiger Zeit zumutet, geht auf keine Kuhhaut.
London 2018: Tower, Big Ben, London Eye. Kein Jurowischen.
6/10


Ukraine – O. Torvald – Time

Ich muss mich bei diesem Beitrag zwingen, die ganzen Begleitumstände außer acht zu lassen und mih nur auf den Act zu konzentrieren. Eine Menge Radau und maskenbildnerische Höchstleistungen (die LED-Uhren auf der Brust!). Würde dieser Beitrag aus Slowenien oder au Finnland kommen, würde ich es lieben. Es kommt aber aus der Ukraine. Trotzdem wird das Beuteschema der Frau F. natürlich trefflich bedient, und ich bin gespannt, was sie im Mai noch draufsetzen. Bei der Ukraine weiß man ja, dass man inszenatorische Höchstleistungen zu erwarten hat.
Chancen auf die Top Ten: Es ist die Ukraine! Natürlich!
Kiew 2018: Nein. Und auch hoffentlich in den nächsten hundert Jahren nicht mehr.
8/10 (weniger geht nicht)


Italien – Francesco Gabbani – Occidentali's Karma

Ladies and Gentlemen, I proudly present you the winner of the Eurovision Song Contest 2017.
11/10


Deutschland – Levina – Perfect Life

Levina war sicherlich die beste Performerin und Sängerin der deutschen Vorentscheidung, aber ich hätte mir gewünscht, dass man ihr einen besseren Song gibt. Der Remix ist zwar besser als das Heavytones-Arrangement, aber der vom NDR angekündigte ganz große Wurf ist das leider nicht. Ich denke aber, dass sie nicht Letzte wird. Alles weitere habe ich ja in meiner Besprechung der deutschen VE schon geschrieben. Bleibt nur noch, Levina viel Spaß und eine tolle Zeit in Kiew zu wünschen. Und vielleicht sorgt sie ja für eine Überraschung?
Chancen auf die Top Ten: Ach Leute. Wir sind ja schon froh, wenn es die Top 25 wird.
Berlin 2018: Meint Ihr, der Flughafen ist dann fertig?
6/10

Die Eurovisionsklasse 2017 - Teil 6

13 Schweiz – Timebelle – Apollo

Der Schweizer Beitrag war ja neben dem deutschen der einzige Beitrag, den ich mir vorher angeschaut hatte. Ich hab aber alles wieder vergessen. Wenn ich mich erinnere, war das in der Entscheidungsshow der Einäugige unter den Blinden. Und genauso kommt es jetzt auch rüber. Nix Besonderes, aber ganz solides Handwerk in den berühmten vier Akkorden. Die Startnummer meint es gut mit den Schweizern.
Chancen aufs Finale: Könnte knapp klappen.
Zürich 2018: Ach was.
7/10


14 Weißrussland – NAVI Band – Historiya majho zyccia

Die Weißrussen ENDLICH mal in Landessprache! Das kann ich aber nicht schlechtheißen! Das freut mich! Und obendrein wird die volle Folklore ausgepackt. Rhythmische Finessen, die Mickymaus und der Wuschelkopf (Zitat vom Nachwuchs) haben mächtig Spaß auf der Bühne, und das ganze holt mich sofort ab. Ich weiß, es ist nicht p.c., weißrussische Beiträge überhaupt nur ansatzweise zu mögen, aber das da ist: TOLL! Endlich mal ein bisschen Äktschen im Song! Bester weißrussischer Beitrag ever!
Chancen aufs Finale: Oh ja bitte! Wenn es das nicht schafft, darf es vieles andere auch nicht schaffen!
Minsk 2018: Das traut sich Europa niemals!
10/10 (werd ich jetzt geschmäht deswegen?)


15 Bulgarien – Kristian Kostov – Beautiful mess

Der erste Teilnehmer mit einer Zwei vorne im Geburtsjahr. Ich fühle mich steinalt. Und niedlich ist der Knabe! Die Bulgaren werden nach Polis tollem Ergebnis jetzt endgültig übermütig, dabei wollten sie doch mal das Eurovisionskatastrophenland Nummer 1 sein. Aber das haben sie wohl endgültig an San Marino abgegeben. Aktuell stehen sie an zweiter Stelle bei den Bookies, und ganz ehrlich: Ich frage mich gerade ein ganz winzig kleines bisschen warum. Kristian ist süß und kann gut singen, keine Frage, Welpenschutz genießt er auch, aber das Lied ist mir für einen Top-Favoriten ein bisschen zu dünn. Aber vielleicht liegt es nur daran, dass ich hier nur das Lyric-Video ohne bewegte Bilder gesehen habe. Den Bulgaren wäre natürlich eine tolle Platzierung unbedingst zu gönnen.
Chancen aufs Finale: Sicher drin.
Sofia 2018: Ich seh es nicht, andere schon.
7/10


16 Litauen – Fusedmarc – Rain of revolution

Huch?! Dutt jetzt auch bei Frauen? Und welche Sprache ist das? Nette Effekte, aber die Lady mit dem Dutt zickt ja mehr als das sie singt. Die macht mir Angst. Die verzieht das Gesicht so komisch. Und ich frage mich unwillkürlich, was man geraucht / geschnupft / gespritzt haben muss, um so aus der Wäsche zu gucken. Wärgs. Sagen wir mal so: Wenn Litauen danebengreift, dann greifen sie gleich richtig daneben. 
Chancen aufs Finale: Wenn es Gerechtigkeit gibt, keine.
Vilnius 2018: Ach geh weg.
0/10


17 Estland – Koit Toome & Laura – Verona

Koit hat mich ja damals vor 19 Jahren mit "Mere lapsed" völlig verzückt. Laura hätte ich niemals als Mitglied der gruseligen Suntribe von 2005 erkannt. In ihrem Fall ist das auch besser so. In diesem Jahr ist mal wieder Sven Lohmus dran mit dem Songwriting, aber das hier ist sicherlich nicht sein allerstärkster Wurf. Laura und Koit singen, was die Lungen hergeben. Ich weiß nicht, ob "Verona" auf eine Romeo-und-Julia-Story abzielt. Aber die kaufe ich den beiden leider nicht so richtig ab. Schade.
Chancen aufs Finale: Könnte dank der großen Namen und der Startnummer knapp reichen.
Tallinn 2018: Nein
7/10


18 Israel – Imri – I feel alive

Israel hat sich nach langer langer Durststrecke in den letzten beiden Jahren ja wieder berappelt und schickt den diesjährigen männlichen Eye Candy Nummer 1 auf die Bühne. Der Song ist ein guter Abschluss des zweiten Semis, hat das typisch israelische "Hurra, wir leben noch" in abgewandelter Form zum Thema, wenn ich den Text richtig verstehe und darüberhinaus viel vom Spirit von "Golden Boy". Und so ähnlich wird er sich auch platzieren, wenn nicht, dank der Startnummer, sogar noch besser.
Chancen aufs Finale: Ja aber sicher.
Jerusalem 2018:Dafür wird es nicht reichen, die Top Ten ist aber in Reichweite
8/10

Oh, schon wieder ein Semi rum. Im Finale sehen wir aus diesem Semi wieder:

Serbien
Österreich (da leg ich mich jetzt fest!!!)
Rumänien
Niederlande
Dänemark
Norwegen
Weißrussland
Bulgarien
Estland
Israel

(Puh, schon wieder so viele Grenzfälle)

Die Eurovisionsklasse 2017 - Teil 5

7 Ungarn – Joci Papai – Origo

Landessprache! LANDESSPRACHE! Allein schon dafür TAUSEND DANK, liebe Ungarn! Ich hatte es kaum noch zu hoffen gewagt. Aber darüberhinaus haben wir hier mal wieder einen Hochrisikobeitrag am Start: Gejaule, dieses Mal von einem Kerl mit Dutt (wann geht diese Mode eigentlich endlich vorbei?!?), folkloristische Elemente, die mir aber ganz gut gefallen, und jetzt auch noch ein Rap. Bunte Wundertüte. Na ja, irgendwer muss ja die Wundertüte geben, wo die Bosnier dieses Jahr nicht da sind. Ich versteh kein Wort von dem, was der Herr da rappt. Aber es muss ganz ganz GANZ arg wichtig sein. Nun ja. Egal, wie man zu solchen Beiträgen steht: Sie bereichern auf jeden Fall das Menü.
Chancen aufs Finale: Marginal. Ich glaubs eher nicht.
Budapest 2018: Niemalsnicht.
5/10 (normalerweise weniger, aber weil wegen Landessprache und ungewöhnlich und so)


8 Dänemark – Anja – Where I am

Bei dänischen Beiträgen bin ich ja grundsätzlich immer sofort in Hab-Acht-Stellung. Außer "Believe again" (ja, ich weiß. Alle hassen das außer mir) gefällt mir nämlich aus Dänemark so ungefähr nix. In diesem Jahr ist es nicht ganz so unerträglich wie sonst immer. Anja ist eine kompetente Performerin und hat auch sichtlich Spaß auf der Bühne. Der Song? Na ja. Versatzstück halt. Geht schlimmer. Geht aber auch besser.
Chancen aufs Finale: Nach zwei Rausschmissen könnte es dieses Jahr wieder knapp reichen.
Kopenhagen 2018: Neej.
6/10


9 Irland – Brendan Murray – Dying to try

"Irischer Harry Potter" - "Trying to die" - uff. Danke, aufrechtgehn.de! Ein Büblein singt sich mit hoher Stimme durch ein Ballädchen im Dreivierteltakt, das durch den Beat wohl wuchtig daherkommen soll (das Ballädchen, nicht das Büblein), aber dennoch ein Ballädchen bleibt. Mann, der kommt ja mit der Bruststimme höher als ich! Hatte der schon Stimmbruch? Iren, habt Ihr nach den sieben Siegen immer noch keine Kohle auf dem Konto? Oder was versprecht Ihr Euch hiervon?
Chancen aufs Finale: Wenn, dann nur knapp. Aus Mitleid. Wegen dem Welpenbonus.
Dublin 2018: Eher holt Schweden Sieg Nummer 7.
5/10


10 San Marino – Jimmie & Valentina – Spirit of the night

The Dream Team is Back! Welcome back, Ralphie und Valentina! Damit es nicht so auffällt, haben sie der Valentina noch einen Kerl mit an die Seite gegeben. Und so viele offene Fragen:
Haben sie das echt im P1 gedreht?!
Ist der Jimmie die Reinkarnation von Michael Ballack?
Ist dieser Song die Essenz des Siegelschen Schaffens der letzten 20 Jahre?
Ach, irgendwie muss man das ja mögen. Und diese Beharrlichkeit ist ja irgendwie auch wieder cool. Jedenfalls würde mir was fehlen, wenn Ralphie irgendwann das ganze an den Nagel hängt.
Prädikat GUILTY PLEASURE. Hoch siebenundelfzig.
Chancen aufs Finale: Hahaha, das wärs! Ich würd mich kringelig lachen.
Serravalle 2018: Ach was denn.
7/10 (jawohl! Und dazu steh ich!)
(PS: Meine Kinder sind grad aufgestanden, um zu tanzen!!!)


11 Kroatien – Jacques Houdek – My friend

Englisch und Italienisch! Ich hab ja im Vorfeld schon so einiges über diesen Beitrag gehört, aber diese Zweisprachigkeit nimmt mich sehr für ihn ein. Wir hören ein hohes Stimmchen auf Englisch und einen italienischen Knödelix (ich glaube, auf italienisch muss man einfach knödeln). Das Video gibt leider nicht viel her, aber das ist... das ist... das ist GEIL. Mi piace. Mal gucken, ob ich das noch revidiere.
Chancen aufs Finale: Kann gut gehen, kann aber auch total in die Hose gehen.
Zagreb 2018: So mutig ist Europa nicht.
8/10


12 Norwegen – JOWST – Grab the moment

Mit dem norwegischen Beitrag bin ich aus Prinzip über Kreuz. Ich bin ja erklärter Fan von Radau im allgemeinen und von Wig Wam im besonderen, so dass ich NATÜRLICH Ammunition in Kiew sehen wollte (da kennt Age Sten Nielsen sich ja auch schon aus, und "Wrecking Crew" finde ich NOCH besser als "In my dreams", das sich immer noch in meiner All-Time-Top3 hält). Aber nee. Statt dessen kriege ich eine zumindest für meine Begriffe strunzlangweilige Dance-Nummer vorgesetzt, der ich ohne dieses "Das wär Ihr Preis gewesen"-Gefühl etwas weniger übel gesonnen wäre. Brauch ich nicht. Sind zwar ein paar interessante Ideen drin, aber: Brauch ich nicht.
Chancen aufs Finale: Wird wohl.
Oslo 2018: Wird nicht.
5/10 (nach Überredung durch meine Kinder. Wrecking Crew hätte 12 gekriegt)

Die Eurovisionsklasse 2017 - Teil 4

Weiter gehts mit dem zweiten Semi:


1 Serbien – Tijana – In too deep

Schöne Frau, starke Stimme, sehr schön melodischer Song. Der Dubstep gefällt mir nicht ganz so, das hätte noch ein bisschen mehr reindonnern können. Ein bisschen mehr Tempo hätte da auch nix geschadet. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Serben zeigen auch in diesem Jahr wieder, wer auf dem Balkan Chef im Ring ist. 
Chancen aufs Finale: Das ist hundertpro drin.
Belgrad 2018: Das wird nicht reichen.
8/10


2 Österreich – Nathan Trent – Keep running

Auf diesen Beitrag war ich natürlich besonders gespannt. Nathan kenne ich ja noch vom Speeddating beim NDR. Nach allem, was man vom EiC und weiteren Events gehört hat, ist der hinreißend hübsche Nathan ein sehr guter Performer und hat dort wohl richtig abgeräumt. Wenn er das so auch in Kiew auf die Bühne bringt, ist zumindest mal eine dicke Überraschung drin. Sein entspannter, chilliger Song hebt sich nämlich meilenweit vom Rest des Feldes ab und wird hoffentlich nicht das gleiche Schicksal erleiden wie der letzte chillige Song aus Österreich. Meineeine ist jedenfalls entzückt und vergibt die erste ZEHN des Abends!
Chancen aufs Finale: Wehe! Wehe! Wehe! Wehe wenn Ihr den im Semi verhungern lasst!
Wien 2018: Es wäre so geil... aber es wird leider nicht passieren.
10/10


3 Mazedonien – Jana Burceska – Dance alone

Hier ist es wirklich schade, dass ich keinen Live-Auftritt habe. Man sieht nämlich von Jana nicht allzuviel im Video, so dass ich mir eigentlich überhaupt kein Bild machen kann. Das Lied geht ein bisschen in die Richtung von "To the sky" von Tijana und ist ansonsten nicht muh und nicht mäh. Und Beiträge, die nicht muh und nicht mäh sind und dann noch den Semi-Todesslot haben, habens im Semi zumindest mal nicht einfach.
Chancen aufs Finale: auch wenn es überall recht gut gehandelt wird: Grenzwertig.
Skopje 2018: Auch nicht.
5/10


4 Malta – Claudia Faniello – Breathlessly

Da hat sie es nun so oft versucht, die gute Claudia, und dann kommt sie mit diesem Breitwandschlonz daher. Der stellt zwar ihre Stimme ganz gut raus. Ich fühle mich gerade fatal an "I evighet" von Bettan erinnert (minus Panflöten, versteht sich). Und wer weiß, wie sehr ich Norrje 1996 hasse, der kann sich denken, dass mich das hier auch nicht erreicht. Es steckt auch noch ein bisschen Möchtegern-Power-Of-Love (von Jennifer Rush, leider nicht von Huey Lewis) drin. Nee, Claudia. Nee nee nee. Dir wirds genauso gehen wie weiland Olivia Lewis.
Chancen aufs Finale: Puh.
Valletta 2018: Glaubse doch selbs nich.
4/10


5 Rumänien – Alex Florea & Ilinca – Yodel it!

Pruuust. Und schon ist die Malteserin vergessen. Man kann ja den Rumänen so einiges vorwerfen, was die Zahlungsmoral angeht, aber ganz bestimmt nicht, dass sie uns langweilen. Die beiden haben Mordsspaß auf der Bühne, sind sich für nix fies und jodeln, was die Stimmbänder hergeben. So bescheuert, dass es schon wieder richtig gut ist!
Chancen aufs Finale: Haushohe, trotz der frühen Startnummer
Bukarest 2018: Dazu ist es zu abgefahren, aber ich glaube an eine Top-Ten-Platzierung
8/10 (wie gesagt: So doof, dass es schon wieder gut ist. Und ich liebe flache Unterhaltung ;-) )


6 Niederlande – OG3NE – Lights and Shadows

Genau wie die Belgier norden sich auch die Holländer allmählich wieder ein, wenn man von 2015 mal absieht. Das hier hebt sich von den jodelnden Rumänen maximal möglich ab. So mehrstimmige Chorsätze sind ja immer ein bisschen gefährlich, aber wenn die drei lekker meisjes das am Abend der Abende SO auf die Bühne bringen, wird das bestechend schön. Das braucht auch gar nicht viel Zirkus drumherum. Wenn man die Schönheit von Songs und Stimmen wirken lässt, müsste das eigentlich durchstarten.
Chancen aufs Finale: Aber hallo!
Amsterdam 2018: So weit ist Europa immer noch nicht. Demnächst dann!
9/10

Die Eurovisionsklasse 2017 - Teil 3

13 Island – Svala – Paper

("Söngelwackelpien")
Ach Island. Nachdem Du zehn Jahre lang den Turbo drin hattest und uns endsgeile Beiträge präsentiert hast, bist Du seit drei Jahren von der Rolle. Okay, Gretas Ausscheiden letztes Jahr war eine der größten Ungerechtigkeiten der Eurovisionsgeschichte. Aber dieses Jahr werdet Ihr Euer Ausscheiden redlich verdient haben. Es gibt außer Svalas Quadratlatschen nicht einen einzigen Grund, für diesen Beitrag anzurufen. Und die Epileptiker sollten gleich direkt mal ausmachen.
Chancen aufs Finale: Nein.
Reykjavik 2018: Leider auch nein.
2/10


14 Tschechien – Martina Barta – My turn

Sehr interessante Stimmfarbe und nach der anstrengenden Isländerin eine echte Erholung. Es ist doch schön, wenn jemand einfach nur SINGT, vor allem, wenn da so eine schöne Stimme in der Kehle drin wohnt. Und das Lied gefällt mir auch richtig gut. Tschechen, Ihr werdet doch wohl nicht zum zweiten Mal in Folge ins Finale einziehen? Wo kommen wir da hin?
Chancen aufs Finale: Definitiv.
Prag 2018: Das wird natürlich nicht reichen, aber es wird, wenn alles so läuft, wie es soll, das beste tschechische Eurovisionsergebnis werden.
8/10


15 Zypern – Hovig – Gravity

Hovig, Armenier in zyprischen Diensten, liefert uns hier dann wieder das totale Kontrastprogramm. Das klingt nach Radau, jetzt müsste es nur noch schneller sein, dann wärs richtig gut. Eigentlich gar nicht so viel anders als manches andere, was ich heute gehört habe, aber trotzdem gefällt mir das viel besser als zB Aserbaidschan. Ich weiß nicht, wie gut er live ist, aber das ist einer der Songs, wo es nicht wirklich darauf ankommt. Auch hier wirds wieder sehr darauf ankommen, wie das ganze inszeniert wird, das Lied bietet da jede Menge Möglichkeiten.
Chancen aufs Finale: Das müsste eigentlich locker reichen.
Nikosia 2018: Nein.
7/10


16 Armenien – Artsvik – Fly with me

Hovigs Landsmännin Artsvik hat leider auch keinen Liveauftritt, dafür ein Video mit einer noch seltsameren Frisur als der Montenegriner - and that is saying something. Die Bewegungen im Video erinnern mich mehr an das, was Crystal im Video zu "Hív a végtelen" gemacht haben, aber das Lied kann da leider nicht mithalten. Es ist halt typisch Armenien. Nach den relativ guten (2015) bis herausragenden (2014, 2016) Beiträgen back to the roots. Ich will die roots nicht. Und irgendwie kommt der Song auch nicht so wirklich aus dem Quark. Man wartet auf den Höhepunkt, aber der kommt leider nicht.
Chancen aufs Finale: Um nicht ins Finale zu kommen, ist es nicht schlecht genug
Eriwan 2018: Nein
3/10


17 Slowenien – Omar Naber – On my way

Der Mann, der schon mit dem genialen "Stop" im Metzelsemi von 2005 das Nachsehen hatte, singt in diesem Jahr einen Breitwandschlonz vor dem Herrn. Die schwarz-weiße Kameraführung ist doch eigentlich ein estnisches Patent, und so ganz passend finde ich den Song für Omar nicht. Er macht das zugegebenermaßen großartig, schnuckelig ist er auch immer noch, aber irgendwie finde ich, dass der brettharte zweite Teil von "Stop" viel, viel besser zu ihm gepasst hat...
Chancen aufs Finale: Ganz unten bei allen Bookies, ganz draußen bei allen Prognosen. Ich glaube, so weg vom Fenster ist der aber gar nicht.
Ljubljana 2018: Leider auch dieses Jahr wieder nicht.
7/10


18 Lettland – Trianas Parks – Line

("Suppennova")
Lettland dieses Jahr mal ohne Aminata - und Leute, bei dem Make-up müsst Ihr aber sicherstellen, dass das mit dem Schwarzlicht in Kiew auch funktioniert. Ansonsten fährt man die gleiche Schiene wie in den letzten beiden Jahren. Allerdings ist der Song bei weitem nicht so stark wie die beiden Würfe von Aminata. Wenn jemand diese Art Sound nicht mag, wird er auch hiervon nicht bekehrt, aber mich erreicht das durchaus. Sicherlich einer der stärkeren Songs dieses Semis.
Chancen aufs Finale: Ganz sicher drin.
Riga 2018: Nope
7/10

Das wars mit dem ersten Semi. Und von den Kombattanten sehen wir im Finale wieder:

Schweden
Australien
Belgien
Finnland
Aserbaidschan
Portugal
Griechenland
Moldawien
Tschechien
Zypern
Armenien
Lettland

Oh. Das sind zwei zuviel. Rein gefühlsmäßig würde ich Aserbaidschan rausschmeißen, aber ich fürchte, es wird dann doch die Finnen schrägen :-( Und... hm.... Puh. Möglicherweise Moldawien. Ich hoffe, dass ich insbesondere im ersten Falle Unrecht behalte. Ich hasse dieses Semi schon jetzt.

(Die beiden eingeklammerten Bemerkungen vor Island und Lettland sind übrigens Verleser meiner Kinder. Ihr könnt ja mal raten, was das eigentlich heißen sollte)

Die Eurovisionsklasse 2017 - Teil 2

7 Finnland – Norma John – Blackbird

Die Finnen präsentieren uns in diesem eine extrem düstere Ballade, und Norma ist passenderweise auch als Schwarze Witwe verkleidet. Aber jetzt werde ich bösartig, und das hat sie nicht verdient. Das Lied gefällt mir nämlich sehr sehr gut und wird in Kiev mit Sicherheit seine Liebhaber finden. Der zauberhafte Zwischenteil tut ein übriges. Das haut bei mir voll rein. Mir steht gerade echt das Wasser in den Augen, und das passiert mir sonst beim ersten Hören so gut wie nie. Eine sehr zurückgenommene Präsentation, dann einfach Norma und ihre Stimme wirken lassen, viel Trockeneis, und das Finale ist geritzt, würde ich sagen.
Chancen aufs Finale: Ja.
Helsinki 2018: Dafür wird es nicht reichen. Aber bitte in die Top Ten.
9/10


8 Aserbaidschan – DiHaj – Skeletons

Wenn man schon ein Lied hat, das "Skeletons" heißt, dann muss die Sängerin wenigstens auch optisch herausgefordert sein, dachte man sich in Azedaze. Mal was anderes für ein Land, das sonst immer Azerbaijan's Next Top Model auflaufen lässt, egal ob das Model singen kann oder nicht. Die hier kann einigermaßen singen (ob sie es live kann, weiß ich aber nicht). Der Song? Same procedure as every year. Und ist der erste aserbaidschanische Song, mit dem ich wirklich überhaupt gar nix anfangen kann.
Chancen aufs Finale: Es ist Aserbaidschan. Bei jedem anderen Land hätte ich gesagt, das fliegt raus.
Baku 2018: Nein.
2/10


9 Portugal – Salvador Sobral – Amar pelos dois

Portugal stand wahrscheinlich in seiner Geschichte noch nie so hoch bei den Bookies wie im Moment. Das Erstaunliche ist, WOMIT sie so hoch im Kurs stehen. Der Beitrag schert sich nämlich einen Dreck um alles, was gerade in ist - und kommt damit durch. Das liegt natürlich vor allem an dem superniedlichen, superputzigen Salvador, der das ganze so entzückend präsentiert, dass man einfach nicht anders kann, als ihn ins Herz zu schließen. Sehr hübsch zu sehen, wie sich die Frisur nach und nach auflöste. Das Lied ist natürlich hoffnungslos retro, sticht aber nach Aserbaidschan so dermaßen raus, dass die Portugiesen zumindest in diesem Semi abräumen werden. Aber egal wie es wird: Hutsammlung ab vor dem Mut der Portugiesen!
Chancen aufs Finale: Ja. Wobei, es kann super laufen, aber auch total schiefgehen.
Lissabon 2018: Das glaub ich nun nicht, aber ich würde mir ein Loch in die Mütze freuen, wenn es so käme!
8/10


10 Griechenland – Demy – This is love

Nachdem die Griechen im letzten Jahr mit ihrem wahrscheinlich folkloristischsten Beitrag seit langem ihren ersten Semirausschmiss kassierten, haben sie in diesem Jahr die Folklore rausgeworfen. Demi ist eine gute Sängerin, keine Frage, und das ganze ist auch gut gemacht, aber leider finde ich das ganze schon arg austauschbar. Auch wenn Ihr dieses Jahr besser abschneiden werdet, liebe Griechen: Letztes Jahr habt Ihr mir trotzdem besser gefallen. (Schlecht geht trotzdem anders).
Chancen aufs Finale: Finale dieses Jahr wieder mit Griechenland.
Athen 2018: Ochi.
6/10


11 Polen – Kasia Mos – Flashlight

Ich will ja hier weiß Gott keinen Altersrassismus an den Tag legen, zumal ich auch nicht in einer Position bin, um das zu tun, aber bitte gebt der Frau einen anderen Make-Up-Artisten! Das ist ein Notfall! So alt ist sie doch noch gar nicht - oder nur gut gebotoxt? Sie hat ein sehr kräftiges Organ und weiß es auch zu benutzen, aber das ganze ist AAAANSTRENGEND und ist in dem Moment aus meinem Ohr draußen, wo es versucht, hineinzugehen. Ich denke daran, dass dieses Land uns das geniale "Ale jestem" geschenkt hat, und gehe nochmal ein bisschen weinen.
Chancen aufs Finale: Eher nicht.
Warschau 2018: Nö.
3/10


12 Moldawien – Sun Stroke Project – Hey Mamma

Der Epic Sax Guy!! Und der Leadsänger ist auch was fürs Auge. Ich kann ja mit der Musik von SSP gemeinhin nicht viel anfangen, aber diese Tapp-Tapp-Choreo mit High Heels ist schon ziemlich witzig. Vor allem kommt das nach der anstrengenden Polin richtig gut. Das ist zwar nix für zuhause, aber als kleine Abwechslung zwischendrin allemal gut genug. Es wird wohl ins Finale kommen. Dort werden sie dann so abschneiden wie vor sieben Jahren.
Chancen aufs Finale: Siehe oben.
Chisinau 2018: Nein.
5/10 (und damit fünf mehr als 2010!)

Die Eurovisionsklasse 2017 - Teil 1

Los gehts!

1 Schweden – Robin Bengtsson – I can´t go on

Und gleich einer der Top-Favoriten am Anfang. Auch ohne zu wissen, wo es herkommt, weiß man natürlich sofort, wo es herkommt. Robin weiß natürlich, wie man so eine Meute begeistert, aber das Lied ist gnadenlos beliebig. Der Gimmick mit dem beweglichen Boden ist natürlich sehr nett, auch die absolute Synchronität aller Beteiligten weiß zu gefallen. Mich hat aber vor allem Robins Ring mit dem blauen Stein fasziniert. Oh und jetzt haben sie auch noch die Fußgymnastik von Kurt Calleja geklaut. Aber alles in allem ist das eher mau, und den hohen Platz bei den Bookies verstehe ich auch nicht.
Chancen aufs Finale: Soll das ein Witz sein? Es ist Schweden!
Stockholm 2018: Auch wenn da der eine oder andere anderer Meinung sein sollte: Nein.
5/10


2 Georgien – Tamara Gachechalidze – Keep the faith

Nun die erste einer erklecklichen Anzahl von Balladen. Tako sieht ummen Kopp rum aus, als ob sie in die Steckdose gepackt hätte. Und rosa Glitzerlurex im Kleide hatten wir auch noch nicht. Immerhin passt der Lippenstift knapp nicht dazu. Das Katastrophenvideo im Hintergrund erklärt mir immerhin ein bisschen, worum es geht, allein vom Gesang her hätte ich das nicht verstanden. Und jetzt leuchtet auch noch das Kleid. Singen kann sie ja, Kraft hat sie auch in der Stimme, aber ich fühle mich gerade ein bisschen reizüberflutet. Einerseits. Andererseits ist das Lied schon zum einem Ohr wieder raus, kaum dass das Video zu Ende ist. Ich weiß ja den hehren Grund zu schätzen, aber normalerweise kann ich solche Weltverbesserungslieder auf den Tod nicht ausstehen. Es ist besser als das entsetzliche "Wars for nothing", aber deshalb noch lange nicht gut.
Chancen aufs Finale: Borderline. Kommt zu früh, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben.
Tbilisi 2018: No way.
4/10


3 Australien – Isaiah – Don´t come easy

Die Fallhöhe für den jungen Australier ist nach den beiden herausragenden Beiträge der letzten beiden Jahre natürlich gigantisch. Sowohl stimmlich als auch optisch (schneidet dem die Haare ab und er sieht aus wie Rybak) überzeugt er mich aber schon mal. Mal gucken, ob er es live stemmen kann - ich hab mal wieder nur das Video. Der Song? Ach so, ja. Nein, kein "Tonight again", auch kein "Sound of silence". Auch fehlt mir das außergewöhnliche Element, dass zumindest "Tonight again" ausgezeichnet hat. Aber das ist natürlich weitaus besser als seine beiden Vorgänger in diesem Semi.
Chancen aufs Finale: Würde er in der zweiten Hälfte starten, hätte ich gesagt, ja klar. So könnte es knapp werden.
Woauchimmer 2018: Nein.
7/10


4 Albanien – Lindita – World

Ich hab hart mit mir gekämpft - VE-Auftritt (also live, albanisches Original) oder Remix (nicht live, aber das, was wir in Kiew hören werden). Remix hat gewonnen. Auch hier erkennt man, wo es herkommt. Schöne Frau kreischt sich durch sperriges Stück. Remixed. Man fragt sich nur warum, von Linditas Englisch verstehe ich nämlich kein Wort, und das dürfte live eher noch schlimmer werden. Ich werde mir wahrscheinlich gleich die VE-Version anschauen und ein bisschen weinen.
Chancen aufs Finale: Nein.
Tirana 2018: Erst recht nicht.
4/10


5 Belgien – Blanche – City Lights

Auch von Belgien hab ich leider nur ein Video. Hier hätten mich die Live-Fähigkeiten sehr interessiert. Blanche hat eine schöne tiefe Stimme, und die Belgier haben bekanntlich gerade einen Lauf. Es ist der bisher mit Abstand modernste Song. Kommt meiner Meinung nach nicht ganz an das geniale "Rhythm inside" ran und braucht ein bisschen, bis es sich in den Gehörgang fräst. Trotzdem eine der Favoritinnen. Völlig zu Recht. Ich bin schon sehr gespannt auf die Inszenierung!
Chancen aufs Finale: Ja sichi!
Brüssel 2018: Die erste ernsthafte Siegeskandidatin, ja.
8/10


6 Montenegro – Slavko – Space

Lieber Deen, ich fürchte, Dein Prädikat "campster Auftritt aller Zeiten" wirst Du wohl abgeben müssen. Das hier toppt ja nun so ungefähr alles, was ich in der Hinsicht je gesehen habe. Deen hatte nämlich keine angewachsene Peitsche aufm Kopf - oder ist das angeschweißt? Ich weiß es nicht. Ob Slavko singen kann, weiß ich auch nicht, ich war zu abgelenkt. Das Lied? Na ja, das übliche, möchte ich sagen. Da rein, da raus. Wie gesagt, ich bin gerade reizüberflutet. Mich gruselt! Ich sehe ja ein, dass es nach Würdigung schreit, wenn jemand sich was traut, aber bitte doch nicht so!
Chancen aufs Finale: Bloß nicht.
Podgorica 2018: Hs?
1/10 (0 fürs Video, 2 fürs Lied)

Die Eurovisionsklasse 2017 - ein paar Worte vorab

So, da steht die Startreihenfolge nun schon seit fast drei Wochen fest, und die geneigte Leserschaft hat sich möglicherweise schon gefragt, ob wir hier überhaupt noch am Leben sind oder allmählich vor uns hinmodern. Seid beruhigt: Wir modern noch nicht, jedenfalls nicht über die sattsam bekannten Alterserscheinungen hinaus. In unserem Alter muss man das ja so langsam dazusagen.

Ich gebe zu: Wir sind ein unzuverlässiger Haufen, ohne Wenn und Aber.

Aber: Ich hab mich aber auch noch nie so wenig aufraffen können, einen ESC zu besprechen, wie das in diesem Jahr der Fall ist. Das hängt neben privaten Gründen, die nicht hierher gehören, auch an den außerordentlich unerfreulichen Begleitumständen, die in meinem letzten Posting hier ja schon Thema waren. Dass Russland und die Ukraine ihren Konflikt ungeniert mitten in den ESC hineingetragen haben, hat mir persönlich schon ziemlich die Petersilie verhagelt. Nun hat das ganze ja durch den russischen Rückzug sein unrühmliches Ende gefunden, der Schaden aber bleibt. Da hat sich keiner der Beteiligten mit Ruhm bekleckert, insbesondere auch die EBU nicht. Ich hoffe, dass die nach der ganzen Geschichte nicht direkt wieder zur Tagesordnung übergehen und wiederhole meine Forderung nach einem verbindlichen Wertekatalog.

Aber nachher gilts. Heute nachmittag werde ich mich, bewaffnet mit Apfelwein und Schoko-Ostereiern (die Fastenzeit ist rum! Und Herr Sixtus rät mir ja sowieso immer zum Alkoholkonsum beim Bloggen) über den aktuellen Jahrgang hermachen. Mal sehen, was unsere Helden und Heldinnen in diesem Jahr so zu bieten haben.

Donnerstag, 30. März 2017

"Der Eurovision Song Contest ist unpolitisch!"

Dieses Posting sollte eigentlich schon gegen Ende der letzten Eurovisionssaison kommen, ich habe mich aber dann doch dagegen entschieden. Aus Gründen. Faulheit zum Beispiel. Aber wie wir alle wissen, ist das Thema ja nicht vom Tisch und derzeit sogar in der Mitte des Tisches, aber sowas von! Deshalb nach längerem Hadern auch nochmal meine fünf Cent zum Thema.

Kurz zur Ausgangslage: Bekanntlich hat sich die Ukraine letztes Jahr den Sieg mit einem Song davongetragen, der aufgrund seiner politischen Aussage haarscharf an der Disqualifikation vorbeischrammte. Zu allem Überfluss verwies das Land durch die bessere Jurywertung den hochfavorisierten Televoting-Sieger aus Russland dadurch gar noch auf Platz 3, was dem ohnehin schon zerrütteten Verhältnis der beiden Länder nicht gerade zuträglich war.

Die ESC-Blase fragte sich nun also seit dem 14. Mai 2016, ob und wenn ja wie die Russen in der Ukraine überhaupt antreten. Diese Frage wurde vor zweieinhalb Wochen beantwortet - und mit dieser Antwort gingen die Scherereien dann richtig los.

Russland nominierte nämlich Julia Samoylova, eine an den Rollstuhl gefesselte Sängerin, die, wenn ich meinen einschlägigen Quellen glauben darf, einen Schmachtfetzen vor dem Herrn singen wird. Und singen kann sie wohl sehr gut.

Zunächst erschien es als großartige Idee, ausgerechnet in die Ukraine jemanden zu schicken, der vermutlich einen riesigen Mitleidsbonus bekommen und den auch der härteste Russlandgegner aus diesen Gründen in Kiew nicht ausbuhen wird. ABER, und das ist ein großes Aber: Julia Samoylova trat im Jahre 2015 auf der bekanntlich im Jahr davor von Russland annektierten Krim auf und reiste für diesen Auftritt von Russland aus ein. Dies ist aber in der Ukraine per Gesetz verboten und wird mit mehrjährigem Einreiseverbot geahndet.

Das heißt: Julia Samoylova darf in der Ukraine derzeit überhaupt nicht einreisen und somit auch nicht am ESC teilnehmen. Das hat die ukrainische Regierung nochmal nachdrücklich klar gemacht. Nachdem die EBU darüber mit allen Beteiligten verhandelt hatte, machte sie den Vorschlag, die Sängerin per Videoschalte auftreten zu lassen - was sowohl von der Ukraine als auch von Russland sofort und kategorisch abgelehnt wurde, in letzterem Falle mit der süffisanten Bemerkung, die EBU möge sich doch bitte an ihre eigenen Regeln halten, wonach ein Interpret live aufzutreten und zu singen habe.

Die ganze Geschichte schlug natürlich in sämtlichen einschlägigen Kommentarspalten und in den sozialen Netzwerken hohe Wellen, von der Forderung, der Ukraine die Ausrichtung zu entziehen und beide Länder für die nächsten Jahre vom Wettbewerb auszuschließen bis zu einer Rücktrittsforderung an Jon Ola Sand war alles dabei. Und das alles ist samt und sonders überzogen bzw. völlig fehl am Platz.

Zunächst die Ausschlussforderung. Natürlich wäre es schon extrem verwunderlich, wenn das ganze von russischer Seite keine Absicht gewesen wäre. Ist ja auch ein feiner Schachzug; die Ukraine steht als Depp da, egal was sie macht. Lässt sie Samoylova ins Land, heißt es, die Russen können mit ihr (der Ukraine nämlich) machen, was sie wollen. Tut sie das nicht, ist die Ukraine der hartherzige Buhmann, der der armen gehandicapten Sängerin den Traum vom ESC-Auftritt verwehrt.

Nur: Nachweisen lässt sich das nicht. Nun schützt zwar Unwissenheit per se vor Strafe nicht, aber es wird niemals zweifelsfrei bewiesen werden können, dass Russland die Ukraine hier gezielt provoziert hat. Und so lange das nicht bewiesen ist, wird man Russland auch nicht vom Wettbewerb ausschließen können - vermutlich sogar auch dann nicht, wenn es bewiesen werden sollte.

Die Ukraine wird man ebenfalls nicht ausschließen können, wofür auch? Dafür, dass sie das in ihrem Land geltende Recht durchsetzt? Kritische Stimmen meinten ja, dieses Gesetz sei unmenschlich und gehöre ignoriert, aber das ist sicherlich nicht Sache der EBU (und schon gar nicht der Eurovisionsblase), das zu beurteilen bzw. den Gesetzesübertritt durchzusetzen.

Julia Samoylova hat ein Gesetz in der Ukraine gebrochen, worauf eine gewissen Sanktion steht. Die EBU hat schon gesagt, dass sie von der Ukraine nicht verlangen wird, diesen Gesetzesübertritt ungestraft zu lassen. Dass es seitens der Ukraine ein geschickter Schachzug wäre, trotzdem darauf zu verzichten, Samoylova ins Land zu lassen und somit als moralischer Sieger aus der Angelegenheit hervorzugehen, ist eine andere Geschichte. Das wäre einer der beiden Auswege aus dieser Sache, wird aber wohl nicht passieren, siehe oben.

Die zweite Möglichkeit und der vermutlich einzig gangbare Weg ist, dass die EBU Russland auch zu diesem Zeitpunkt noch gestattet, die Sängerin auszutauschen. Dafür ist aber ein entsprechendes Entgegenkommen der Russen notwendig, und auch das sehe ich noch nicht. Für alles andere sind der EBU im derzeitigen Fall die Hände gebunden.

Natürlich kommen im Moment auch diejenigen Fälle hoch, wo die EBU in der Vergangenheit hart durchgegriffen hat, namentlich Libanon 2005, Georgien 2009 und Rumänien 2016. Schauen wir mal drauf:

Der Libanon durfte 2005 nicht teilnehmen, weil es dort per Gesetz verboten gewesen wäre, den israelischen Beitrag zu übertragen. Laut Regelwerk für den ESC muss aber jeder Beitrag in jedem teilnehmenden Land übertragen werden.

Georgien zog 2009 seinen Beitrag zurück, weil das zu diesem Zeitpunkt in einem Konflikt mit Russland stehende Land seinen Song "we don't wanna put in" nicht austauschen wollte (Pun very intended!), die EBU aber solch einen politischen Beitrag nicht dulden wollte, denn der ESC ist ja, wie wir alle wissen, unpolitisch. Warum dann letztes Jahr 1944 durchgewunken wurde, weiß allein die EBU.

Schließlich Rumänien: Ovidiu Anton wurde letztes Jahr disqualifiziert, da der entsprechende Sender bei der EBU derbe in der Kreide stand.

Warum kann nun die EBU Russland nicht disqualifizieren, wenn sie doch sonst nicht zimperlich ist? Ganz einfach: Die drei oben genannten Fälle hatten alle direkt mit dem ESC bzw. mit der EBU zu tun, so dass die EBU hier auch handeln konnte. Im aktuellen Fall allerdings ist das nicht so, sondern das ganze ist eine Sache zwischen Frau Samoylova bzw. der russischen Delegation und der ukrainischen Regierung. Die EBU tut gut daran, sich hier nicht aktiv einzumischen.

Was kann man nun tun? Ich glaube, für den aktuellen Fall gibt es nur die beiden oben genannten Varianten. Wenn niemand nachgibt, bleibt es spannend, und ich bin sehr gespannt, was bzw. wer oder ob überhaupt irgendwer für Russland im Mai auf der Kiewer Bühne steht. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass die EBU sich endlich mal einen verbindlichen Wertekodex gibt. Heißt: Der völkerverbindende Charakter des Eurovision Song Contest gehört endlich mal ins Regelwerk geschrieben. Jedes Land verpflichtet sich diesem völkerverbindenden Gedanken, der ALLE (!) anderen Teilnehmer mit einschließt. Wer in Konflikt mit einem anderen Eurovisionsteilnehmerland steht und diesen Konflikt auch in den ESC trägt, wird halt künftig vom Wettbewerb ausgeschlossen. Ich denke dabei auch an zwei mir besonders lieb gewordene Kaukasus-Länder, deren Namen ich hier aus Gründen des Taktes nicht nenne.

Aber egal, wie man es dreht, das ganze ist ein trauriges und unwürdiges Schmierentheater. Dass der ESC hier von einigen wenigen dazu missbraucht wird, aktuelle Konflikte mit anderen Mitteln fortzusetzen, ist einfach nur zum Kotzen!

Liebe EBU, der Eurovision Song Contest ist nicht unpolitisch. Das war er nie, und das wird er nie sein. Aber so lange Ihr weiterhin so beinhart an dieser Behauptung festhaltet und Euch von einigen ach so unpolitischen Teilnehmerländern auf der Nase rumtanzen lasst, wird sich nichts zum Besseren ändern. Nehmt endlich das Heft in die Hand, damit der völkerverbindende Geist des ESC nicht immer weiter aufgeweicht wird!


Freitag, 10. Februar 2017

Das perfekte Leben der Isabella Levina L.

Gestern Abend ging bekanntlich die deutsche Vorentscheidung über die Kölner Bühne, und da ich ja meiner VE-Abstinenz immer mehr abschwöre (in zwanzig Jahren habt Ihr mich so weit, dass ich mir das Mello anschaue), hab ich in trauter Runde vor dem Livestream gehockt und mir selbige angeschaut. Traute Runde? Jawoll! Meine Töchter haben mitgeschaut, außerdem waren Herr Sixtus und zwei weitere Freunde meines Eurovisionsfreundeskreises zugeschaltet (1x aus Deutschland, 1x aus Österreich, dazu gleich mehr), so dass das zumindest den Begleitumständen nach ein töfter Abend war.

Auf dem Bildschirm, soviel darf ich vorweg nehmen, war der Abend dann nicht ganz so super und lässt mich etwas ratlos zurück. Aber der Reihe nach.

Der durchaus komplizierte Voting-Modus ist ja schon in epischer Breite diskutiert worden. Da es aber trotzdem nicht so richtig verständlich war, rollen wir das hier nochmal auf. In der ersten Runde traten die glorreichen Fünf mit einem Coversong auf und hinterließen sehr unterschiedliche Eindrücke:

Runde 1

Das Küken musste zuerst auf die Bühne und war dementsprechend aufgeregt. Immerhin hatte Helene richtig Spaß auf der Bühne, auch wenn ich mich nach wie vor frage, wer sie eigentlich unter die letzten Fünf hat kommen lassen. Diese, ähm, Stimme ist zum Gruseln. Yosefin spielte natürlich, was Bühnenpräsenz und -erfahrung angeht, in einer anderen Liga, schoss sich aber durch ihre Songwahl selbst ab. Dennoch hätte ich lieber sie als Helene eine Runde weiter gesehen. Gleiches gilt für Felicia Lu, die mich vor allem durch ihre verschiedenfarbigen Augen faszinierte und ansonsten sehr lenaesk rüberkam, was zwar kein Nachteil sein muss. Dennoch blieb sie genau wie Yosefin durch ihre Songwahl erkennbar unter ihren Möglichkeiten. Dass sie nicht weiterkam, war eine herbe Enttäuschung für mich. Bei Axel kam bei uns trotz Anzug zum ersten Mal das Gefühl auf, dass das was werden könnte, und Levina bot in der ersten Runde nicht nur eindeutig die beste Leistung der Fünf, sondern war schon da die klare Favoritin des Kölner Publikums. Man hätte da eigentlich schon aufhören können, aber da es ja eine Coversong-Runde gewesen war, gings danach erst richtig los.


Pause 1

Matthias Schweighöfer singt. Laut Babsi findet man den im besten Falle super scharf (die genaue Wortwahl hab ich nicht mehr nicht im Kopf), im schlechtesten Falle immer noch süß. Im Falle der Schreiberin dieser Zeilen lässt er einen vollkommen kalt und man fragt sich, was an dem so toll sein soll. Das Lied hab ich schon wieder vergessen.


Runde 2

Jetzt wurde es spannend, denn der erste der beiden groß angekündigten Songs kam zu Gehör. Helene sang Wildfire in einer sehr flotten Country-Interpretation, die mich tatsächlich mitriss und die ich von jemand anderem gesungen gern als Sieger gesehen hätte. Leider konnte man ihr nicht mal eben die Stimmbänder austauschen und ihr Bühnenerfahrung einbimsen. Mit einer Stimme wie eine rostige Gießkanne ist leider nix zu holen. Axel saß statisch auf einem Barhocker und erinnerte mich spontan an Max Mutzke, ohne dessen Stimmgewalt allerdings. Das Arrangement allerdings war mir viel zu glattgebügelt und beliebig. Auch bei Levina muss dieser Song in der Halle irgendwie anders rüber gekommen sein, ich vermute, die hatten alle ein Yohanna-Moment. Bei mir zuhause klangen da einige schräge Töne raus, und auch das balladeske Arrangement war mir viel zu lahm.

Alles in allem kam ich mir bei diesem Song vor wie in einem Puzzlespiel wo jemand an den Teilen rumgeschnipselt hat. Der Song ist gut und eingängig, aber die richtige Kombi aus Arrangement und Sänger/in war leider nicht dabei.


Pause 2

Tim Bendzko durfte neben seiner anstrengenden Juryarbeit auch mal singen.


Runde 3

Alle meine Hoffnungen ruhten nun auf Axel, Levina und Perfect Life. Der Song passte eindeutig besser zu Axel als Wildfire, angeblich hat er sogar ein kleines Tanzschrittchen (huch!) drin gehabt, das ich aber nicht gesehen habe. War auf jeden Fall besser als der erste Versuch. Als Levina Perfect Life sang, war mir sofort klar, dass das der Einäugige unter den Blinden ist und dass diese Kombi unser Song für Kiew werden wird. Das beste Gesamtpaket, allerdings saßen auch hier wieder die Puzzleteile nicht an ihrem Platz.

Kein Lena-Moment. Kein Roman-Lob-Moment. Irgendwie alles - nett. Und nett ist ja bekanntlich die kleine Schwester wovon?


Pause 3

Drei Eurovisionssiegerinnen in einem laut Babsi "sensationellen Medley". Das war der Moment, auf den ICH hingefiebert habe, aber von dem Medley war leider nur das dritte Drittel sensationell. Im ersten Teil metzelte Ruslana (immerhin untenrum mal vollständig bekleidet, wenn auch obenrum nicht) "Euphoria" dahin, wobei sehr deutlich zu merken war, dass Ruslana kein Wort von dem verstand, was sie da sang, was durchaus amüsant war. Nicole vergriff sich an "Merci Cherie". Frust. Nicole hatte früher eine der schönsten Frauenstimmen, die ich jemals gehört habe. Die Art und Weise, wie sie ihre Stimme inzwischen kaputt gesungen hat, macht mich fertig. Da war es für Conchita ein Leichtes, den beiden anderen Damen zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat. Ihre Version von "Satellite" war ohne Frage das sängerische Highlight des Abends. Der schönste Moment der gesamten Veranstaltung war übrigens für mich, als die von Conchitas Vortrag sichtlich ergriffene Lena danach aufsprang und alle drei Damen umarmte. Lena herzt Nicole! Dass ich das noch erleben darf!


Runde 4

Levina durfte nun gegen sich selbst antreten. Wildfire war zwar wieder der Burner in der Halle, überzeugte aber am Fernsehschirm auch beim zweiten Mal nicht. Perfect Life klang insgesamt spannender, und glücklicherweise hat sich das abstimmende Publikum dieses Mal nicht von der Stimmung in der Halle und der Meinung von Jury und Moderatorin beeinflussen lassen und mit deutlicher Mehrheit Perfect Life nach Kiew gewählt.


Manöverkritik allgemein:

Moderation: Der Lichtblick an diesem Abend. Babsi ist einfach unverwüstlich und moderierte diese zähen drei Stunden einfach weg. Dabei sparte sie auch den einen oder anderen derben Witz nicht aus. Aber ihre lockere selbstironische Art half einem über manche Pein an diesem Abend hinweg. Thumbs up, wie immer.

Bühne: Bühne?

Jury: Kann man machen, muss man nicht. Die drei trugen jetzt nichts Wesentliches zum Abend bei, störten aber auch nicht. Einzig Herr Silbereisen nervte etwas mit seiner Helenentreue - kriegt er zuhause Ärger, wenn er Leute dieses Namens nicht pusht, oder was? Lena war entzückend, Tim Bendzko der einzige, der mal kritische Töne wagte. Hübsch der Running Gag, dass Herr Silbereisen noch einen Schnelldurchlauf will. Wie gesagt, kann man machen, muss man nicht.

Pausenacts: Ja, doch. Das hat Spaß gemacht, vor allem der Schluss der letzten Pause.

Internationales Barometer: Gott, bin ich froh, dass das dabei war. Ich hätte mir in den Hintern gebissen, wenn man das wieder ignoriert hätte. Wie brauchbar das tatsächlich ist? Keine Ahnung.

Heavytones: Wie sagt der Rabe? Never more.

Songs: Die sensationell angekündigten Songs erwiesen sich als zwei Four-Chord-Machwerke, solide, aber keinesfalls sensationell. Die Arrangements taten ein übriges. By the way, Wildfire hat den Fabianschen Hörtest bestanden (nach dem 2. Hören drin), wohingegen ich Perfect Life einfach nicht in den Gehörgang kriege - und das trotz günstigster Bedingungen. That sounds good to me. Not. Und es frustriert mich nach wie vor, dass die Knallerkombi aus Songarrangement und Interpreten einfach nicht dabei sein wollte. Man kann natürlich einwenden, dass da bis Mai noch was gemacht werden kann, aber wer daran glaubt, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Am allerliebsten wäre mir ja, dass wir uns am üblichen weißrussischen Vorgehen mal ein Beispiel nehmen und gleich den ganzen Song austauschen. Aber das wird latürnich nicht passieren. Das Thema Plagiatsdiskussion möchte ich gern hier aussparen, das ist so überflüssig wie ein Kropf.

Interpreten: Nuuun ja. Ich war ja beim Vorsingen nicht dabei, sondern habe nur die Speed-Dating-Videos gesehen, in denen die Kandidaten dem Bürger Lars Dietrich ein paar Tönchen vorgeträllert haben, aber die Frage muss mal gestattet sein: WER zum Henker hat denn Helene ins Finale gehievt? Und warum muss jemand, der so ESC-unpassend wirkt wie Axel, durch diese Tretmühle? Zugegeben, er hat sich gestern sehr teuer verkauft und das wirklich gut gemacht, dennoch gebe ich dem Silbereisen hundertprozentig recht: Die ESC-Bühne ist nicht wirklich Axels Bühne. Gut, das war es bei Max Mutzke auch nicht, aber der spielt stimmlich dann doch nochmal eine Liga höher. Yosefin und Felicia haben sich durch falsche Songwahl in der Coverrunde leider selbst rausgekickt, Ich hätte die beiden Songs gern auch mal von ihnen gehört. Bleibt Levina, und die ist nun wirklich eine würdige Siegerin, war sie doch in sämtlichen Runden klar die beste. Man würde ihr nur einen besseren Song wünschen! Im Moment erinnert mich das doch sehr an Lidia Isac aus Moldawien letztes Jahr: Tolle Sängerin mit toller Optik, Song zum Vergessen.

Konzept: Uff. Doppel-Uff. Zu verwirrend, zu viele Runden, zu wenige Songs, zu viele Heavytones. Wenn hier was gerissen wird in Kiew, dann liegt das ausschließlich an Levina und ihrem Können, wiewohl ihr ein wenig die Leichtigkeit fehlt. Über alles andere möchte ich gern den Mantel des Schweigens breiten. Bitte macht es das nächste Mal anders. Und vor allem: THE SONG!

Lieber NDR, schaut doch bitte einfach nochmal das hier an und lernt:

Das kann doch irgendwie nicht so schwer sein! Und wenn Ihr es nicht könnt, dann gebt es ab!


Nun ja. Die Wettquoten für Deutschland fallen derzeit wie ein Stein. Immerhin: Österreich liegt derzeit (noch) hinter uns, und meinen beiden österreichischen Freunden ging gestern abend Nathan-Trent-bezüglich schon ziemlich der Hintern auf Grundeis ("Wo hat der ORF den her? Was haben sie sich dabei gedacht?"). Ich hoffe in beiden Fällen nicht, dass wir uns wieder gemeinsam das Scoreboard von unten begucken und wünsche Levina all the best of luck in Kiew - sie kann es gebrauchen. Und ich hoffe, dass die ganzen Unkenrufer, die bereits den dritten letzten Platz in Folge kommen sehen, Unrecht behalten.

In diesem Sinne: Viel Glück in Kiew, Levina! Und uns allen eine tolle Saison!

Freitag, 20. Januar 2017

And the best hosts are:

Der offizielle Youtube-Kanal des Eurovision Song Contests rief letztens seine Fans zu ein paar interessanten Abstimmungen auf. Auf der Tube gibt es ja ESC-Song-Rankings noch und nöcher. Abstimmungen über die besten Moderatoren sind aber bis dato eher Mangelware. Daher ließ man jetzt dort mal die beste Moderation wählen - der 80er, der 90er, der Nuller und der Zehner. Für die Jahre davor habe ich nichts gefunden.

Die Ergebnisse dieser Abstimmung möchte ich Euch nicht vorenthalten, zumal mir das jetzt auch ermöglicht, eine sträfliche Unterlassungssünde auszumerzen. Soviel sei schon mal gesagt: Die Abstimmung brachte in allen vier Fällen diejenigen als Sieger, die ich selbst auch dazu gekürt hätte. Was allerdings teilweise dahinter passierte, war zuweilen... äh... interessant.

Nehmen wir mal die Achtziger. Die Siegerin war nicht so eindeutig, wie man meinen konnte, sondern lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit - Victor Lazlo (Brüssel 1987). Das war für mich die erste Überraschung, hier hätte ich Désirée Nosbusch (Luxemburg 1984 auch noch mit im Rennen erwartet. Aber gewonnen hat das ganze selbstverständlich Lill Lindfors (Göteborg 1985), und das dürfte nicht nur am Klamottentrick gelegen haben, sondern daran, dass sie den Abend zu "Die Welt zu Gast bei Lill machte".Warmherziger war selten jemand. Hier nochmal die Highlights ihrer Moderation:




In den Neunzigern waren es dann drei Moderationen, die um die Krone kämpften. Auf den Verfolgerrängen landeten Fionnuala Sweeney (Millstreet 1983) und zu meiner großen und durchaus freudigen Überraschung Ingvild Bryn und Morten Harket (Oslo 1996). Bevor ich mir den Osloer Bewerb mal komplett gegeben habe, hatte ich nur Fürchterbares über die beiden gelesen, fand aber dann ihre Moderation ausgesprochen unterhaltsam. Jedenfalls kann man das beides vertreten. Auch Carrie Crowley und Ronan Keating (Dublin 1997) oder Dafna Dekel, Sigal Shahamon und Yigal Ravid (Jerusalem 1999) hätten einen Platz weit oben verdient gehabt. Über das Ergebnis für Gigliola Cinquetti und Toto Cutugno (Rom 1991) ist indes nichts bekannt. Sieger waren hier Ulrika Jonsson und Terry Wogan (Birmingham 1998), die das rundum großartige Jahr 1998 trefflich abrundeten.




In den Nullern ging zwar der Sieger in Ordnung, aber dahinter - au weia. Ich hätte ja eigentlich gedacht, dass die Top drei neben den Siegern noch zwingend Kattis Ahlström und Anders Lundin (Stockholm 2000) sowie Marija Naumova und Renars Kaupers (Riga 2003) hätte enthalten müssen. Ich sollte mir wohl das Denken besser abgewöhnen, denn stattdessen sah das Wahlvolk allen Ernstes Maria Menounos und Sakis Rouvas (Athen 2006) - Leute, Ihr solltet die Moderation bewerten, nicht die Optik! - und, jetzt kommts: Alsou und Ivan Urgant (Moskau 2009, Finale) UND Natalia Vodianova und Andrej Malakov (Moskau 2009, Semis) vorne. Was bitte habt Ihr für Drogen genommen? Die will ich auch! Immerhin, beim Sieger hat man alles richtig gemacht, denn zu den besten Moderatoren der Nuller wurden höchstverdientermaßen Jaana Pelkonen und Mikko Leppilampi (Helsinki 2007) gewählt.




Bleiben die Zehner. Und hier ragt eine Moderation so deutlich heraus, dass die Kanalbesitzer sogar darauf verzichtet haben, die Plätze danach überhaupt nur zu benennen. Da kann man eigentlich nur gucken und genießen:


Ich möchte allerdings die videogewordene Laudatio noch um einen wichtigen Punkt ergänzen. Keine Frage, Petra Mede und Måns Zelmerlöw (Stockholm 2016) waren ein blind aufeinander eingespieltes Team, da saß jeder Übergang, jeder Gag, meistens haben sie noch nicht mal Moderationskärtchen gebraucht. Die beiden waren charmant, witzig, originell, souverän und wunderbar selbstironisch, ohne dabei aber zu dick aufzutragen. Und über die beiden Gesangstanznummern, die man im Video auch nochmal ausschnittsweise sieht (und ansonsten auch nochmal in Gänze auf der Tube findet), haben wir noch gar nicht gesprochen. Umso bemerkenswerter und beeindruckender fand ich es aber, dass die beiden es auch schafften, sich bei den leisen Tönen genau richtig zu dosieren. Die Ansage der "Grey People", dem Pausenact im ersten Semi, die die Situation der Flüchtlinge in Europa tänzerisch darstellten, hätte böse in die Hose gehen können. Aber Petra und Monz fanden mit ihrer empathischen, aber nicht pathetischen Ansage genau die richtigen Worte. Und das adelte dann endgültig eine Moderation, die wohl auch ohne das als die mit Abstand beste in 60 Jahren ESC-Geschichte angesehen werden darf.

Dienstag, 17. Januar 2017

Sadi geht, Yosefin kommt.

Zumindest eine Frage aus meiner ellenlangen Fragenliste im letzten Posting hat sich wohl heute beantwortet, nämlich die nach dem diesjährigen Skandal bei der deutschen Vorentscheidung. Wie die BLÖDzeitung heute enthüllte, hätte Sadi neben der VE auch noch einen Termin beim Jugendgericht in Dortmund. Vorwurf: Diebstahl bzw. Betrug. Was genau da vorgefallen ist und ob es überhaupt vorgefallen ist, weiß man eigentlich nicht.

Dennoch ist Sadi heute vom Vorentscheid zurückgetreten (worden? Auch das weiß man nicht). Als Nachrückerin wurde jedenfalls kurz danach meine Speeddating-Topfavoritin Yosefin Buohler nominiert. Axel Feige wirds gefreut haben, der ist nämlich jetzt noch der einzige Kerl zwischen den ganzen Hühnern.

Hoffen wir mal auf die Songs. Wie heißt es so schön: Hoffen und harren...

Montag, 9. Januar 2017

Aktenzeichen XY ... die (noch) ungelösten Fragen des Eurovisionsjahrgangs 2017

Wir kommen langsam aber sicher in die heiße Phase, höggschde Zeit also, sich mal anzuschauen, welche Fragen in dieser Eurovisionssaison noch offen sind:


- Werden die Albaner ihr bereits ausgewähltes Lied wieder verenglischen und bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln, auf dass sie auch in diesem Jahr wieder sicher im Semi rausfliegen?

- Kaufen die Azeris wieder in Schweden ein, bloß nix bieten, was auch nur annähernd mit der eigenen Kultur zu tun hat?

- Bürsten die Österreicher wieder gegen den Strich, um den gemeinen Fan zu verzücken?

- Bieten die Belgier neue Tanzschritte, die man so aus guten Gründen bisher weder auf einer Bühne noch in einer Disco noch sonstwo gesehen hat?

- Zeigen die Australier den Eurasiern wieder (ohne sich anzustrengen), wo der Frosch die Locken hat?

- Haben die Bulgaren nach dem tollen Vorjahresergebnis endlich was gelernt?

- Schaffen die Schweizer das Triple (3x Semi-Letzter)?

- Schaffen die Deutschen das Triple (3x Final-Letzter)?

- Welchen Skandal bieten die Deutschen der Eurovisionswelt dieses Mal?

- Darf Aminata wieder den lettischen Beitrag schreiben?

- Darf Stig Rästa wieder den estnischen Beitrag schreiben?

- Findet er dafür einen Sänger oder eine Sängerin, die nicht gleich zum Weglaufen unsympathisch ist, zum Beispiel Elina Born?

- Wird der spanische Beitrag auf YouTube wieder gehypt ohne Ende, um dann im Wettbewerb jämmerlich abzusaufen?

- Wird das wieder keiner verstehen?

- Schicken die Finnen endlich mal wieder Fabian-kompatiblen Radau?

- Schaffen die Briten die Top 5? (Kleiner Scherz am Rande...)

- Schaffen die Iren das Finale?

- Singen die Serben doch lieber wieder serbisch?

- Kommen die Rumänen zurück wie Phoenix aus der Asche?

- Wen kauft sich San Marino ein?

- Schaffen die Russen endlich den Sieg, und das ausgerechnet in der Ukraine?

- Bleibt es bei einem Gimmick-reduzierten Wettbewerb?

- Werde ich den schwedischen Beitrag auch nur ansatzweise mögen?

- Schicken die Slowenen was Gutes?

- Wenn ja: Bekommt das endlich mal eine angemessene Platzierung?

- Kommen die Tschechen jetzt nochmal ins Finale?

- Kommen die Griechen wieder ins Finale?

- Bleiben die Montenegriner so mutig?

- Welche Art von Problembeitrag liefern die Ungarn dieses Mal?

- Schaffen die Isländer endlich wieder das Finale?

- Haben die Mazedonier nach Kaliopis Ausscheiden überhaupt noch eine Chance aufs Finale?

- Will der weißrussische Interpret wieder nackt und/oder mit Wölfen auftreten?

- Darf er das?

- Und was schicken die Ukrainer?

- Gibt es endlich wieder mehr in Landessprache?

- Und mehr Risiko, so dass man sich an den Beiträgen auch mal abarbeiten bzw sich in sie verlieben kann?

- Wird wieder am Wertungssystem rumgeschustert, weil ja sonst nix stört?

- Werden uns die Ukrainer den Gefallen tun, Ruslana und Verka Serduchka als Moderationsduo einzusetzen?

- Wenn ja: Werden die beiden eine noch schlechtere Moderation abliefern als Natalia "se mohst bjutiful Göhl in se Wöhld" Vodianova und Andrej "Ich bin zu doof, um 'en Pudding an die Wand zu nageln" Malakhov?

- Wie lange wird in der Ukraine alles in der Schwebe hängen, um nachher dann doch einen der besten ESCs der Geschichte zu präsentieren?

(- und für mich ganz persönlich: Wird es, wie seit 1987 in allen Jahren mit einer 7 hinten, wieder zwei Beiträge für meine persönliche Top 25 geben?)


Hach, so viele Fragen. Alle offen. Hab ich noch was vergessen? Falls ja: Schreibts uns doch einfach in die Kommentare!

Freitag, 6. Januar 2017

5 x 2 = 1?

So, da wurden sie heute also präsentiert, die glorreichen Fünf, die für Deutschland den Vorentscheid bestreiten werden: Felicia Lu Kürbiß, Levina, Axel Feige, Sadi und Helene Nissen. Und ich lag mit meinen Prognosen bis auf die Lady mit dem drolligen Nachnamen mal wieder kilometerweit daneben. Immerhin, der von den Fans gewünschte Diversität hat der NDR dabei versucht Rechnung zu tragen. Mal sehen, wie sich unsere Recken schlagen. Müsste ich aufgrund des Speeddatings eine Prognose machen, wäre Felicia Lu meine klare Favoritin, gefolgt von Levina und Sadi. Axel und Helene sind in meinen Augen chancenlos.

Aber halt - war da nicht noch was? Das Hauptaugenmerk soll ja auf dem Song liegen, und da muss der NDR sich seiner Sache schon extrem sicher sein, denn es gibt genau zwei (in Zahlen: 2) Songs, die schlussendlich zur Wahl stehen und die in jeweils fünf verschiedenen Arrangements zu Gehör gebracht werden. Jeder Kandidat bekommt also sein eigenes Arrangement (von den Heavytones begleitet, wie man hört ...) für jeden der Songs, so dass wir die gleichen zwei Songs immer wieder hören werden.

Nun, mangelnde Risikobereitschaft kann man dem NDR in diesem Jahr wahrlich nicht vorwerfen. Als ich das gelesen habe, kam mir gleich eine ganze Wagenladung von Was-Wenns in den Sinn: Was, wenn die Songs Rohrkrepierer sind? Was, wenn sich so ein Faust-aufs-Auge-Arrangement wie beispielsweise bei Roman Lob und "Standing Still" nicht finden lässt? Was, wenn man die falschen fünf ausgewählt hat?

Andererseits: "Satellite" war auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, wurde allerdings durch die Performance eines absoluten Ausnahmetalents geadelt. Ich bin bis heute der Meinung, dass Lena auch mit "Alle meine Entchen" gewonnen hätte. Allerdings findet man solche Ausnahmetalente auch nicht jedes Jahr, und im derzeitigen Line-Up sehe ich nach dem bisherigen Eindruck keins. Aber was weiß ich schon?

Lassen wir uns also überraschen. Vielleicht hat es der NDR ja doch geschafft, eine magische Kombination aus Interpret und Song zu finden. Alles, was uns vom letzten Platz wegbringt, ist auf jeden Fall schon mal eine positive Überraschung.

May da best one win, may da Song was taugen and may he or she in Kiev nicht Letzter werden.

Montag, 19. Dezember 2016

Schweizer Sangeswonnen

Es hat ja wahrscheinlich jeder von uns in seinem Umfeld Personen, denen er nichts abschlagen kann. Ich auch. In meinem Falle gehört dazu unter anderem auch der Besitzer dieses Blogs. Der hat mich nämlich bekniet, ich möge mir doch mal die Schweizer Songs anhören, ich würde mir nichts dabei vergeben, und das Finale würde sowieso keiner von denen von innen sehen.

Da ich in den letzen 18 Monaten schon mehrere gute Vorsätze gebrochen habe, ist jetzt dann wohl mal das Vorhaben dran, Eurovisionssongs (mit Ausnahme des deutschen Beitrags) zum ersten Mal dann anzuschauen, wenn die Startreihenfolge feststeht. Also gut, schauen wir mal, was die Eidgenossinnen (es sind derer 6 bei 0 Eidgenossen) so im Gepäck haben:

1. Ginta Biku - Cet air là

Uff, das ist aber eine seltsame Gewandung. Also, eine SEHR seltsame Gewandung. Und damit ist noch nicht mal Ginta selbst gemeint (obwohl, auch schlimm), sondern vor allem ihre Tanzschnittekens, die eine Art zum Bikinioberteil umgewandeltes Hemd tragen. Mir fehlen da gerade etwas die Worte. Das Lied plätschert drei Minuten vor sich hin und tut nicht weiter weh, immerhin gibt es einen Sprachwechsel von Englisch zu Französisch und wieder zurück. Gintas Stimme ist von der Abteilung "nörgeliges Gör singt", nicht wirklich schlecht, aber auch nicht doll.

Chancen aufs Finale: 0,000%.
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Hoch.
Zürich 2018: Ich hör ja schon auf.
3/10


2. Freschta - Gold

Hm. Fangen wir mal mit dem positiven an: Die Stimme ist sehr gut, und das Mädel hat sicherlich Potenzial. Hübsch ist sie auch, aber sie sollte beim Singen nicht so gucken, als ob die Presswehen gerade eingesetzt haben. Und ihr Englisch ist ungefähr so gut wie das von Alyosha. Die Aussprache ist eine Katastrophe, man versteht recht wenig. Aber warum solls uns besser gehen als ihr?
Hm, was? Wie ich den Song finde? Den Song...? Welchen Song? Der ist mir schon wieder zum Ohr rausgeflogen, kaum dass ich die paar Zeilen hier geschrieben habe.
Ich will ja nicht so viel motzen (okay, will ich doch), deshalb nur so viel: Sie kann singen, aber es ist noch eine Menge Bühnenerfahrung nötig, bevor das hier mal internationales Format bekommt.

Chancen aufs Finale: In dieser Form keine, gebt dem ganzen aber ein wenig Feinschliff, dann reden wir nochmal drüber.
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: In dieser Form hoch, mit Feinschliff weniger hoch.
Zürich 2018: Äh, was?
4/10


3. Michèle - Two faces

Das ist auf jeden Fall mal besser als die beiden davor, aber das heißt noch gar nix. Irgendwie ist diese Michèle eine sehr seltsame Mischung aus Ann Sophie und Lena. Aber eine gute, kräftige Stimme, die dann hoffentlich bei der VE auch jeden Ton trifft. Sie hat Spaß auf der Bühne und weiß wie sie den Spaß rüberbringt. Ihr Lied hab ich zumindest jetzt beim Tippen noch nicht sofort wieder vergessen, aber natürlich ist das auch nichts, was beim ESC auch nur den Hauch einer Chance hätte. Dass ihre zwei Gesichter Zucker und Salz sind, finde ich allerdings putzig.

Chancen aufs Finale: Da das Lied nichts Dolles ist... puh.
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Mittel
Zürich 2018: Soll ich diese Zeile künftig einfach streichen?
5/10


4. Nadya - The fire in the sky

Voluminöse Frau mit ebensolcher Stimme, was sicherlich nie ein Nachteil ist. Aber dich zwischendrin verschlucken solltest Du dann auf der großen Bühne tunlichst unterlassen, liebe Nadya. Von allen bisher gehörten Beiträgen mit Sicherheit der, aus dem man am meisten rausholen kann, wenn man die Bühnenshow entsprechend gestaltet. Überhaupt: Bis auf Ginta war das ja alles reichlich statisch bisher. Nun lässt man natürlich voluminöse Frauen nicht über die Bühne hoppeln, aber da darf gern noch ein bisschen was drumherum passieren. Das Lied ist okay, nix Besonderes, aber nichts, wo ich sofort das Radio ausmachen müsste. Und bei Nadya arbeiten wir noch ein bisschen am Styling (vor allem am Make-up!), dann wird das in der VE schon ein Wörtchen mitzureden haben.

Chancen aufs Finale: Noch am ehesten von allen bisher gehörten
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Eher gering. Kräftige Frauen mit kräftigen Stimmen bekommen gern mal ein paar Punkte.
Zürich 2018: Das sieht hier nicht ganz so grotesk aus wie bei denen davor, aber: Nein.
6/10


5. Shana Pearson - Exodus

Ein sehr internationaler Song. Klamotten aus Andorra (ein gelbes Organza-Kleid (oder was soll das da sein?) über schwarzem Nano-Kleid - mit sowas ähnlichem ist doch die Rykka dieses Jahr auch schon auf die Fresse gefallen!), Tänzerinnen aus Belgien, die schief singenden Backings von Electro Velvet ausgeliehen und am Song ärgert mich all das, was mich in diesem Jahr beim norwegischen Icebreaker genervt hat. Wenn ich gegen Ende der Strophe den Turbo aufdrehe, dann muss im Refrain was kommen! Da darf ich nicht das Tempo drosseln. Aber selbst wenn sie das nicht gemacht hätten: Dieses Lied und die ganze Inszenierung sind so unerträglich billig, dass ich eigentlich gar nix mehr dazu sagen will.

Chancen aufs Finale: Nä
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Ja
Zürich 2018: Ohne Worte
1/10


Puh, nur noch eine, dann hab ich es geschafft.

6. Timebelle - Apollo

Es heißt ja immer, das Beste kommt zum Schluss, und der Kandidatenreigen hier ist keine Ausnahme. Die hübscheste Sängerin mit der besten Bühnenpräsenz, Stimme ist in Ordnung, jetzt müssen wir der Dame nur noch das Grimassieren abgewöhnen, dann passt das.Auch wenn der Song (ich sag nur 4 chord) reichlich vorhersehbar daherkommt, ist das solides Pophandwerk und mit Sicherheit das kompletteste Gesamtpaket. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, müssten Timebelle sich eigentlich mit Nadya um die Krone kloppen und am Ende nach Kiew fahren. 

Chancen aufs Finale: Ja, schon.
Chancen auf den dritten letzten Platz im Semi in Folge: Nein.
Zürich 2018: Nein.
7/10


Nu ja. Alles keine großen Würfe, teilweise absolut indiskutabel. Es wird entweder Nadya, oder, wahrscheinlicher, Timebelle.

So, Sixtus, da haste Deine Besprechung. Eiserne Konsequenz is eh was für Kleingeister. Aber nicht, dass ich mir jetzt auch noch das Mello antun muss!

Dienstag, 6. Dezember 2016

"Du hast Star-Appeal. Menschen werden dich lieben."

Nein, nein, nein, dieser Satz ist so natürlich noch nicht gefallen, zumindest nicht für das kommende deutsche Eurovisionsaufgebot. Aber er könnte. Vielleicht. Wenn wir Glück haben. Ob es tatsächlich für eine zweite Lena reicht, sehe ich noch nicht unbedingt, aber so ein Ausnahmetalent findest du auch nicht jedes Jahr.

Krankheitsbedingt hock ich gerade daheim und habe die Zeit genutzt, mir mal die Speed-Dating-Videos der 33 Kandidaten anzuschauen, die vom NDR aus etwa 2000 Bewerbern ausgesiebt worden sind und sich nun einer dreiminütigen Fragerunde mit Bürger Lars Dietrich stellen durften.

Die Videos findest Du hier.

Die Fragen waren natürlich hanebüchen, so wurde nach dem liebsten Kuscheltier gefragt, nach dem unnötigsten Kauf, womit man sein erstes Geld verdient hat, was man wäre, wenn man ein Instrument wäre und so weiter und so fort. Oliver Rau von der wunderbaren Seite aufrechtgehn.de schlug gar vor, bei jeder dummen Frage einen Schnaps zu trinken, auf dass man beim dritten Video bereits unter dem Tisch läge - tut mir Leid, so viel Stöffchen hab ich nicht im Haus.

Aber um die Fragen ging es auch gar nicht, sondern darum, wie sich die Helden denn in der unerwarteten Situation schlugen. Und da gabs durchaus große Unterschiede. Während die einen schüchtern vor der Kamera bzw. dem Lars saßen und sich bei jeder Frage wanden und man sich fragte, wer die denn eigentlich in die Runde der letzten 33 gehievt hatte (und sie selbst schienen sich das auch zu fragen), waren auch ein paar echte Rampensäue dabei, von denen man sich durchaus vorstellen konnte, dass sie dermaleinst vom Bravo-Poster aus huldvoll in die deutschen Kinderzimmer gucken.

Nach der Fragestunde durften sie dann alle noch ein kleines Gesangspröbchen abgeben, was sie durch die Bank mit Bravour gemeistert haben. Singen konnten sie alle, aber das wäre auch ein Armutszeugnis gewesen, wenn nicht. Jung sind sie alle (wenn ich das richtig gesehen habe, reicht die Altersspanne von 17 bis 29. Seufz.), und nett aussehen tun sie auch alle (okay, manche mehr als andere).

Aber ansonsten wars ein bunter Haufen: Eye-Candy (fast alle Jungs, besonders Alessandro und Alex), das Jüngelchen von nebenan, das irgendwie in die Casting-Show geraten ist (Florian), die mit dem lustigen Namen (Felicia Lu Kürbiß, trotzdem sehr vielversprechend), die Abgeklärte, die schon mal bei einer VE dabei war (Elvira), die charismatische Durchgeknallte (Yosefin, für mich die Top-Favoritin in der Runde), die Röhre (Mary Ann), die Schönheiten (Levina, Susanna, Meg, und, und, und), das Mäuschen (Helene, ausgerechnet), der Überforsche (Marvin) ... Und alle mit ganz unterschiedlichen Starqualitäten.

Wenn die Verantwortlichen beim NDR alles richtig machen (was ja auch noch längst nicht raus ist) und die besten Performer in die Endrunde hieven, brauchen wir jetzt "nur noch" einen guten Song, und dann wollen wir doch mal sehen, ob es nicht dieses Jahr mal über den letzten Platz rausgeht.

Es wird spannend. Ich hab jedenfalls schon einen Tipp, wer am 9.2. in der VE zu sehen sein wird -und wie immer liege ich damit bestimmt total falsch. Allerdings dürften die Likes und Dislikes unter den Tubenvideos schon mal ein ganz guter Indikator sein.

Drücken wir ihnen allen die Daumen - und dem NDR, dass er ein gutes Händchen hat und die Rampensäue und schrägen Vögel drin lässt!

Mittwoch, 3. August 2016

Und das meint der Nachwuchs

Meine Kinder sind ja langsam in einem Alter, wo ich meinen Eurovisionskonsum nicht mehr geheim und sie nicht mehr davon fernhalten kann. Unlängst wurde schon mit Nachdruck gefordert, ich möge sie doch bitte im nächsten Jahr wenigstens die Semis mitschauen lassen. Ich werde mal in mich gehen und auf den Stundenplan hoffen, möge dieser Kelch an mir vorübergehen.

Dafür hockte man aber beim Schreiben meiner Nachlese neben mir und sah mir über die Schulter. Und die Eindrücke, die da kamen, möchte ich Euch nicht vorenthalten:

"Huch!" (Island, in dem Moment, als die Hände kamen und Greta zu packen versuchten)

"Die hat total komische Haare und ein hässliches Kleid!" (Spanien)

"Die sind aber komisch angezogen." (Bosnien-Herzegowina)

"Cool! Das gefällt mir sehr! Aber viel zu viele Lichtblitze, das blendet mich." (Georgien)

"Toll war das!" (Ungarn)

"Der Sternenhimmel sieht ja toll aus!" (Frankreich)

"Ooooh, das ist ja toll! Ist das Feuer echt?" (Armenien)

"Das ist am schlechtesten. Die singt, als ob sie ausgepeitscht würde." (Ukraine)

"Die Kleidung und die Frisur passen nicht" (Israel)

"Boah, das ist ja voll schön!" (Litauen)

"Die sieht ja grässlich aus, das will ich nicht nochmal gucken" (Albanien)

"Guck mal, die hat ja Licht an!" (Bulgarien)

"Komische Kleidung." (Irland)

"Ich find, sie singt gut, aber das Lied ist einfach schlecht." (Deutschland)

"Der Hintergrund mit dem Garten ist toll!" (Italien)

"Das Lied ist gut, aber der Hintergrund gefällt mir nicht." (Schweden)

"Das ist ein bisschen langweilig." (Polen)

"Uäääh, die Frisur und das Kleid gefallen mir nicht!" (Kroatien)

"Der Hintergrund ist schlecht." (UK)

"Die umklammert ihr Mikrofon so komisch. Nein, das gefällt mir einfach nicht!" (Malta)

"Toll! Note 1!" (Österreich)

"Mach nochmal das mit der Frau in dem Prinzessinnenkleid, das ist mein Lieblingsbeitrag!" (Kind 1 über Australien)

"Mach nochmal das, wo der da die Wand hochklettert, das ist mein Lieblingsbeitrag!" (Kind 2 über Russland)

"Australien oder Russland hätten gewinnen sollen! Der Sieger hätte letzter werden sollen."

Das Finale, die Top 3

3. Russland

Ich werde mich vermutlich mit diesem Posting sehr unbeliebt machen, is mir aber egal. Denn: Wenn überhaupt irgendjemand aus der Top 3 den Sieg verdient hatte, dann auf jeden Fall Russland! Mit dieser Choreographie noch so eine Gesangsleistung zu bringen, das muss man auch erstmal schaffen. Dazu kommt, dass mir Sergey durchaus sympathisch ist, und sein Song gefällt mir auch. Natürlich ist das nicht der große Wurf, aber es wäre ein würdiger Sieger gewesen. Wie wir wissen, kam es anders, und Sergey gewann leider nur das Televoting. Bei den Juroren, wo er keine Punkte bekam, lag er sehr oft auf den Rängen 11-18 (was okay ist), wurde aber auch von einigen Juroren gezielt runtergewertet (Jurys sind? Na? Ihr wisst schon). Das Thema wird wohl ein Duerbrenner bleiben. Jedenfalls: Schade um Sergey, dieses Jahr hätte Russland den Sieg wirklich verdient gehabt!


2. Australien

Vorhang auf für die große Stimmakrobatin aus Down Under. Dami, ganz Prinzessin im Glitzerkleid, mit Glitzerschuhen und mit Glitzerarmschmuck (so einen will ich auch!) hockte auf einem Glitzerpodest und sang sich die Seele aus dem Leib. Doch, gesanglich war das schon sehr, sehr gut, und es war auch keine Überraschung, dass das der Jurysieger wurde. Aber: Ein Jahr nach dem großartigen Debüt von Guy Sebastian (für mich der eindeutig beste Beitrag 2015, auch wenn der Auftritt nicht optimal gelaufen ist) ist Australien eurovisionstechnisch komplett eingenordet worden. Ein nichtssagender Song, die holografischen Kniffe des Vorjahressiegers aufgegriffen, Stimmbandstrapazionen - das ist alles nur für einen Abend gemacht. Tut mir Leid, liebe Australier, letztes Jahr, als Ihr noch gegen den Strich gebürstet habt, habt Ihr mir viel besser gefallen!


1. Ukraine

Nun denn, aus der Auswahl "Hochleistungschoreo" - "Stimmakrobatik" und "Große Kunschd" gewann schlussendlich die große Kunst, und das, obwohl die Ukraine sowohl im Televoting als auch bei den Juroren jeweils auf Platz zwei gelegen hatte.  Aber wenn zwei sich streiten, freut sich halt der dritte, das ist beim ESC nicht anders als im richtigen Leben. Natürlich geht jetzt wieder das Gezacker los, was denn bei anderen Wertungssystemen gewesen wäre, aber scusi: Die Regeln sind, wie sie sind, die Ukraine ist der rechtmäßige Sieger. Ein Sieger allerdings für einen Abend, in den Charts bekommt "1944" keinen Fuß auf den Boden. Das verwundert auch nicht, das ganze ist schon SEHR gewöhnungsbedürftig. Dazu kommt Jamalas Stimme, die zumindest mir nicht so zusagt. Aber sei es, wie es sei, den Leuten hats gefallen, und sie hat ja ihre Sache auch sehr gut gemacht. Positiv seien noch zwei Dinge vermerkt: Erstens ist es ein gutes Zeichen, wenn das Außergewöhnliche gewinnt, und ich wünsche mir, dass auch das nächstes Jahr Schule macht. Und außerdem freue ich mich natürlich, dass im Meer der englischsprachigen Songs einer gewonnen hat, der eben nicht nur rein englisch war. Vielleicht lohnen sich ab dem nächsten Jahr ja dann die Karaoke-Versionen doch wieder! Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Nochmal das Finale, Platz 26

26. Deutschland

Bevor wir uns die Top 3 anschauen, möchte ich gern nochmal ans Tabellenende.

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass mein Fußballherz für den VfB Stuttgart schlägt. Aufmerksame Beobachter der Fußball-Bundesliga wissen, dass dieses Herz derzeit ein arg geschundenes ist, denn dieser 14. Mai war nicht nur ein weiterer letzter Platz für Deutschland beim ESC, sondern auch der wohl schwärzeste Tag der Stuttgarter Fußballgeschichte. Nicht nur der VfB ist abgestiegen, sondern auch die Kickers und die zweite Mannschaft des VfB. So gesehen war ich dann nach dem ESC wirklich restlos bedient.

Dabei hätte einen dieser letzte Platz eigentlich nicht verwundern dürfen, und mir ging schon in den Probenwochen ein wenig der Hintern auf Grundeis, weil ich mich fragte, wer Jamie-Lee denn eigentlich diesen letzten Platz hätte streitig machen sollen. Natürlich ist sie süß, natürlich singt sie gut, und natürlich kann man ihren Sieg bei der DVE vertreten. Aber "Ghost" ist als Song einfach nur dröööööööge und passt auch nicht wirklich zu ihr. Ich gebe zu, ich habe diese Tatsache in der VE ziemlich verdrängt, weil sie schon wirklich gut abgeliefert hat. Übrigens hat sie das auch in Stockholm. Aber eingekeilt zwischen Schweden und Frankreich hatte sie keine Chance zu strahlen. Das Outfit, das Europa dann doch wider Erwarten nicht verstanden hat, tat ein Übriges. Nicht umsonst ist sie Zweite beim Barbara-Dex-Award geworden, offensichtlich war den Leuten nicht klar, was denn ihr Style mit ihrem Lied und mit allem anderen zu tun hat. Ich gehe aber nicht davon aus, dass das in diesem Falle kriegsentscheidend war, immerhin gibt es ja in der Riege der BDA-Preisträger doch einige, die die Top 10 geknackt haben (Guildo Horn, Eldrine, Rona Nishliu, t.A.T.u., und Verka Serduchka wurde ja seinerzeit sogar Zweite). Das muss also nicht unbedingt den Absturz bedeuten, wenn alles andere stimmt. Nur stimmte halt vieles andere auch nicht.

Natürlich kommt dann die Frage, wen man sonst hätte schicken sollen (erst schocken getippt, geiler Vertipper!). Aus der VE? Avantasia vielleicht? Im Vergleich zu Zypern und vor allem Georgien der wesentlich schlechtere Beitrag, und was mit unsympathischen Sängern passiert, hat Jüri Postmann ja vorgemacht. Alex Diehl? Funktioniert meiner Meinung nach nicht auf der großen Bühne, auch wenn der Song leider nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Wochen genau so aktuell ist wie damals. Das ist ehrliche, handgemachte Musik von einem Sänger, bei dem die Botschaft wichtiger ist als die (nicht besonders herausragende) Stimme. Also so gar nix für den ESC, zumal Alex auch aus meiner Sicht bei weitem nicht professionell genug dafür ist. Alle anderen? Ach je. Alles... nett. Dafür, dass diese VE mit glühender Nadel gestrickt war, war das sehr ok. Keoma fand ich ganz schön. Aber ganz ehrlich: Alles in allem hatten wir keine bessere Wahl als die, die wir getroffen haben. Einem nackten Mann kann man nun mal nicht in die Tasche greifen. Und wir spielen bei der deutschen Vorentscheidung schon viel zu lange "Kaisers neue Kleider".

Und damit bin ich beim großen Elend, das in Deutschland seit einiger Zeit sein Unwesen treibt: Es wird sich nix mehr getraut. NIX! Der NDR macht sich, was den ESC angeht, zur Marionette der Plattenfirmen, aber wie man sieht, bringt das keine Erfolge. Leute, traut Euch endlich mal wieder was! Geht nicht auf Nummer Sicher, sondern rein in die Vollen! Risiko macht Spaß! Bringt mal einen Song auf Deutsch! Oder auf Chinesisch! Lasst die Puppen tanzen! Außerdem: Es kann doch nicht sein, dass sich niemand findet, der professionell genug und wirklich heiß auf diesen Wettbewerb ist. Ja, ich hör Euch schon alle "Xavier Naidoo" rufen. Ging in die Richtung, war trotzdem keine gute Idee, und das sehe ich bis heute so. Die Art und Weise, wie er abserviert wurde, war dennoch nicht gut.

Was ich klasse fänd: Wenn man wirklich mal die Fans mehr ins Boot holen würde. Es gab ja dieses Jahr schon gute Ansätze mit den Kunsthochschulen, aber das bringt alles nix, wenn der Song bzw. der Act nix taugt. NDR, wenn Kritik aus Fankreisen kommt, dann hört verdammt nochmal drauf und beharrt nicht darauf, dass Ihr das aber so und so gemeint habt - der europäische Zuschauer und der europäische Juror wissen das nicht, und wisst Ihr was: Es interessiert sie auch nicht!

Ich wäre ja schon glücklich, wenn wir nächstes Jahr mal eine VE OHNE Skandal hinkriegen. So weit sind wir schon. Die letzte wirklich skandalfreie VE war 2010. 2010. Was war nochmal 2010?

Was das alles mit dem VfB zu tun hat? Nun, hier in Stuttgart hat direkt nach dem Abstieg heimlich, still und leise das Großreinemachen angefangen. Da wurde alles rausgeschmissen, was nicht bei drei auf dem Baum war, und die Zeichen auf Neuanfang gestellt (Hitz is back in town!). Und genau das wünsch ich mir vom NDR ESC-bezüglich auch. Gebt es ab, wenn Ihr es nicht könnt. Wenn Ihr das nicht wollt, tauscht die verantwortlichen Leute aus (und das schließt Peter Urban ausdrücklich mit ein!). Und wenn Ihr das auch nicht wollt, dann traut Euch doch endlich mal was! Lieber mit Grandezza auf die Nase fliegen als mit Langeweile! Und wer weiß: Vielleicht fliegt man ja auch gar nicht auf die Nase, wenn man sich endlich mal wieder was traut?